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War Preußen toleranter als die Bundesrepublik?
War Preußen toleranter als die Bundesrepublik?
( Link zum Originalbild | Urheber:Michal Manas | Wikimedia Commons | CC BY 4.0)

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

gehört der Islam zu Deutschland? Über diese Frage wird in der Bundesrepublik seit acht Jahren eine hitzige Debatte geführt. Oft wird argumentiert, die rund fünf Millionen Muslime, die mittlerweile in Deutschland leben, ließen keinen Zweifel daran, dass der Islam inzwischen zu Deutschland gehöre.

Doch solche Argumente lassen die vorherigen Jahrhunderte als exklusiv „christlich-deutsch“ erscheinen. Man bekommt schnell den Eindruck, Deutschland — wie wir es heute kennen — sei eine historisch gewachsene Einheit von Christen. Und Muslime bloß „Gäste“.

Tatsächlich waren Muslime seit Jahrhunderten ein Teil der hiesigen Gesellschaften, sagt Stephan Theilig. Wir empfehlen ein Interview mit dem Historiker auf ZENITH. Er resümiert: Die Menschen müssten viel öfter Raumschiff Enterprise schauen. Das würde ihren Blick auf unsere Welt relativieren — und klar machen, dass man sich nicht abkapseln kann.

Vorher wird in dem Interview aber noch die Reichhaltigkeit der deutschen Geschichte aufgezeigt. Es geht um islamische Gebetsräume, die König Wilhelm I. für die muslimischen Soldaten Preußens einrichten ließ, um osmanische Kapellen und um eine monarchische Ordnung, die kulturelle Unterschiede nicht auszumerzen versuchte.

Theilig appelliert dafür, unsere Vorstellungen von „Fremdheit“ zu überdenken und die Kontinuität unterschiedlichster Einflüsse in Deutschland wohlwollend anzuerkennen.

„Das große Problem ist dieses ganze nationale Gedünkel aus dem 19. Jahrhundert. Diese Fiktion einer Nation, ohne dabei das große Andere zu sehen. Man spricht von der christlich-jüdischen Geschichte Europas und ignoriert vollkommen 800 Jahre muslimisches Leben auf der iberischen Halbinsel. Man ignoriert über Jahrhunderte hinweg, dass das Mittelmeer ein europäisches Binnenmeer war, das Nordafrika durchaus dazuzählte.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

 

Wer steckt dahinter?

Lars Hauch
Kommt aus:Münster, Deutschland
Politische Position:Gegen eurozentristische Betrachtung der muslimischen Welt, gegen machtverschleiernde Ideologien, für soziale Nachhaltigkeit
Arbeitet für/als:Schreibt als freier Journalist über Islamismus und Sicherheitspolitik im Mittleren Osten, u.a. für Middle East Eye, Krautreporter, Internationale Politik und Gesellschaft, Blätter für deutsche und internationale Politik. Seit kurzem recherchiert und schreibt er auch für The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Studierte International Development Studies an der Universität Wien und Politikwissenschaften an der Universität Münster
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