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Das Problem im Fall Ashwaq T. sind nicht die deutschen Behörden, sondern das Internet
Das Problem im Fall Ashwaq T. sind nicht die deutschen Behörden, sondern das Internet
( Link zum Originalbild | Urheber: Heimo Liendl | Flickr.com | CC BY-SA 2.0)

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

der Fall Ashwaq T. hat in den letzten Tagen für mediales Aufsehen gesorgt. Die 19-jährige Jesidin soll Deutschland wieder verlassen haben, weil sie nach eigenen Angaben hier einen IS-Kämpfer traf, der sie im Irak mehrere Monate als Sklavin hielt und missbrauchte. Der deutsche Staat, sagt sie in einem Video, habe sie nicht ausreichend vor ihrem Peiniger geschützt. Deswegen packte T. ihre Sachen und floh wieder – diesmal aus Deutschland, wo sie mit ihrer Mutter und zwei Brüdern in einem Flüchtlingsheim lebte. Heute ist die Jesidin wieder in ihrem Heimatland, dem Irak. In dem Videointerview sagt sie auch, sie sei nicht die einzige Geflüchtete, die in Deutschland ihren Peiniger wiedergetroffen habe.

Der Fall sorgte in den sozialen Medien für Ärger und harte Kritik an der Politik. Die AfD machte sich das Geschehen zu Nutzen, um die deutsche Asylpolitik zu kritisieren. Michael Blume ist Religionswissenschaftler und leitet das Referat für nichtchristliche Religionen des baden-württembergischen Staatsministeriums. Zur Hoch-Zeit des islamischen Staates 2015/16 arbeitete er laut SWR in einem Projekt im Nordirak, mit dem Frauen und Kindern aus dem Irak gerettet wurden und kannte daher die junge Jesidin persönlich. Auf SPEKTRUM.DE teilt er seine Sicht auf das Geschehen um Ashwaq T. Ihre Angaben enthalten Sprünge wie etwa falsche Daten, schreibt er und fügt hinzu, dass Erinnerungen sich leicht verzerren können. Er argumentiert, die Polizei und die Stadt Schwäbisch Gmünd hätten vorbildlich gehandelt. Das Problem seien nicht die deutschen Behörden, sondern die Funktionsweise des Internets. Dort „lohne sich“ Skandalisierung und Emotionalisierung.

Wir haben Ashwaq T. geholfen und ich möchte ihr auch gerne weiterhin helfen, auch wenn die Traumata ihre Erinnerungen und Entscheidungen verzerrt haben. Wenn wir alle auf Blogs, Facebook, Twitter als “digitale Redakteure” Nachrichten teilen und produzieren, dann müssten wir alle auch lernen, mit unserer Verantwortung umzugehen. Dann müssten wir also lernen, mit den Aussagen traumatisierter Menschen so sorgfältig umzugehen, wie das jede Journalistin und jeder Journalist auch – am Besten schon in der Ausbildung – zu lernen hat.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

 

Wer steckt dahinter?

Alisa Sonntag
Kommt aus:Ursprünglich aus dem Raum Chemnitz, aktuell in Leipzig.
Politische Position:Arbeitet bei THE BUZZARD, weil sie möglichst viele Menschen ermutigen möchte, die eigene Filterblase ab und an mal zu verlassen.
Arbeitet für/als:Studiert in Halle an der Saale "Multimedia und Autorschaft" und "International Area Studies" im Master. Arbeitet unter anderem für The Buzzard, die Mitteldeutsche Zeitung und die Freie Presse Chemnitz als freie Journalistin.
Was Sie noch wissen sollten:Hat ihr Bachelorstudium in Politik- und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

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