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Deshalb ist die türkische Krise typisch für Regime wie das von Erdoğan
Deshalb ist die türkische Krise typisch für Regime wie das von Erdoğan

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

seit Tagen prägt die türkische Krise die Nachrichtenlage. Auch wenn der Wertverfall der türkischen Lira nicht erst mit den US-Strafzöllen gegen die Türkei begann, hat sich die Lage seitdem doch deutlich verschlechtert. Während einige deutsche Journalisten offenbar vor allem über die Folgen für die hierzulande so beliebten Türkei-Urlaube nachdenken, schauen viele europäische Kommentatoren besorgt auf die Entwicklung, vor allem hinsichtlich möglicher „Ansteckungseffekte“. Nun will offenbar der Emir von Katar der Türkei mit Investitionen in Höhe von 15 Milliarden Dollar unter die Arme greifen. Es bleibt abzuwarten, ob so der problematischen Inflation in Zukunft beizukommen ist.

Mitentscheidend für eine Lösung der Krise ist sicherlich eine seriöse Ursachenforschung. Während beispielsweise ZEIT ONLINE auf wirtschaftliche Kennzahlen und das Investorenkalkül schaut, fragen andere ganz offen nach der Rolle des Staatschefs Recep Tayyip Erdoğan.

Wir empfehlen heute einen Artikel der NEW YORK TIMES, der die Krise in einem größeren Zusammenhang sieht: Kolumnist Max Fisher fokussiert sich nicht auf die Ökonomie, sondern setzt die aktuelle Krise in einen machtpolitischen Kontext. Autoritäre Machthaber seien besonders anfällig für Krisen wie den aktuellen türkischen Währungsverfall und zudem sehr schlecht darin, sie zu lösen, schreibt Fisher. Das sei Symptom für eine Schwäche, die weit über den währungs- und wirtschaftspolitischen Bereich hinausgehe. Alle autoritären Regime – ob ein Einparteienstaat wie China oder eine Monarchie wie Saudi Arabien – besäßen einen gewissen Hang zu derartigen Probleme, argumentiert Fisher und zeigt Beispiele aus den zurückliegenden Jahrzehnten auf. Doch gerade populistische Führungsfiguren wie Erdoğan hätten die Tendenz, überall im Verfassungssystem potenzielle Bedrohungen für ihre Herrschaft zu sehen und Wachstum auf Pump zu forcieren. Zudem, so Fisher, umgeben sie sich mit loyalen Gefolgsleuten und Ja-Sagern, nicht mit echten Experten und Beratern.

Strongmen like Mr. Chávez or Mr. Erdogan, who installed his son-in-law as finance minister, tend to meddle with their central banks, both to juice short-term growth and out of a tendency to see independent institutions as threats rather than partners. […] Turkey’s meltdown, more than just a product of Mr. Erdogan’s power grabs, is a microcosm of the pathologies inherent in his style of governing, and that of other populist strongmen. And it is a reminder that, although their system seems to be rising in the world, it comes with special risks that make it, on average, more likely to collapse.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit, unter anderem zur Türkei unter Erdogan.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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