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Wir tragen dazu bei, dass arme und reiche Menschen immer seltener im selben Stadtteil wohnen
Wir tragen dazu bei, dass arme und reiche Menschen immer seltener im selben Stadtteil wohnen

Das Argument in Kürze:

Gentrifizierung ist nicht gut für die Städte. Denn sie führt zu sozialer Spaltung: Menschen mit weniger Geld werden aus ihren Stadtteilen vertrieben, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können. In den hippen Quartieren wohnen zunehmend nur noch Menschen mit hohem Einkommen. In Deutschland nimmt dieser Trend zu. Das belegt eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Arme und reiche Menschen wohnen in Deutschland immer seltener in derselben Nachbarschaft. Die Folge: Parallelgesellschaften entstehen.

 

Besonders für Kinder ist die soziale Spaltung gefährlich

74 deutsche Städte haben die Wissenschaftler vom WZB im Zeitraum von 2005 bis 2014 untersucht. Sie haben sich angeschaut, wie ungleich die Wohnstandorte verschiedener Bevölkerungsgruppen verteilt sind.

Die Ergebnisse sind deutlich: Die soziale Spaltung nimmt fast überall in Deutschland zu. Menschen, die Sozialleistungen empfangen, leben zunehmend in bestimmten Stadtteilen. Besonders ungleich ist die Verteilung bei Kindern. In 36 der untersuchten Städte gibt es Quartiere, in denen mehr als die Hälfte aller Kinder von Hartz-IV leben, stellen die Wissenschaftler fest.

Sie warnen: Die soziale Spaltung gefährde die Zukunft von vielen Millionen Kindern. Denn es sei klar, „dass die Nachbarschaft auch den Bildungserfolg beeinflusst“, kommentiert WZB-Promotionsstipendiatin Stefanie Jähnen. Kinder, die in Vierteln aufwachsen, in denen viele sozial schwache Familien leben, haben schlechtere Chancen, erfolgreich ihre Ausbildung abzuschließen oder eine Universität zu besuchen.

Besonders stark betroffen von sozialer Spaltung sind Städte in Ostdeutschland wie Rostock, Schwerin, Potsdam, Erfurt, Halle und Weimar. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass junge und alte Menschen immer seltener in derselben Nachbarschaft wohnen.

„Zusammenfassend beobachten wir, dass sowohl soziale Gruppen – und hier besonders jene mit Kindern – sowie bestimmte Altersgruppen zunehmend seltener Tür an Tür miteinander wohnen.“

Weiterführende Lesetips:

  • Der Berliner TAGESSPIEGEL fasst die Ergebnisse der aktuellen WZB Studie kurz und bündig zusammen und zitiert weiterführende Aussagen der Wissenschaftler aus Interviews.
  • Warum die WZB-Studie ein alarmierendes Signal an die Politik ist, begründet der Journalist Gerd Nowakowski ebenfalls im TAGESSPIEGEL.
  • Wie gefährlich die soziale Spaltung für eine Gesellschaft sein kann, begründet Peter Moskowitzs mit Blick auf die USA in seinem Buch „How to Kill a City“. Wer keine Zeit für ein ganzes Buch hat, dem empfehlen wir die Zusammenfassung in THE ATLANTIC.

Der Beitrag wird empfohlen von: Dario Nassal.

Wer steckt dahinter?

Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
Kommt aus:Berlin
Arbeitet für/als:Das WZB ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung. Insgesamt arbeiten im WZB 140 deutsche und ausländische Soziologen, Politologen, Wirtschaftswissenschaftler, Historiker, Statistiker, Informatiker und Rechtswissenschaftler. Forschungsschwerpunkte sind Bildungs- und Sozialpolitik, Wirtschaftspolitik, Internationale Politik, Politische Systeme und Migrations- und Integrationspolitik.
Was Sie noch wissen sollten:Das Institut ist als gemeinnützige GmbH organisiert und wird zu 75 Prozent von der Bundesrepublik Deutschland und zu 25 Prozent vom Land Berlin finanziert. Das WZB kooperiert eng mit den Hochschulen in Berlin. Viele der Wissenschaftler haben Lehraufträge an den Universitäten dort.

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