Zurück zu allen Tagesempfehlungen
Das Verschleierungverbot in Dänemark spielt eine wichtige Rolle für ganz Europa
Das Verschleierungverbot in Dänemark spielt eine wichtige Rolle für ganz Europa

Der Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

seit diesem Mittwoch ist es in Dänemark nicht mehr erlaubt, in der Öffentlichkeit Burkas und Nikabs zu tragen. Das Verbot umfasst aber auch Sturmhauben, Skimützen oder andere gesichtsbedeckende Masken sowie falsche Bärte. Verstöße sollen mit Geldbußen zwischen umgerechnet €134 bis zu € 340 geahndet werden. Die Vorschrift führte zu Protesten in mehreren dänischen Städten, an denen mehr als 1000 Menschen teilgenommen haben. 

Viele Journalisten und Wissenschaftler kritisieren das dänische Verschleierungsverbot. SPIEGEL ONLINE schreibt beispielsweise, in Dänemark tragen zwar nur wenige Frauen einen Gesichtsschleier. Dennoch mache das die Sache für Frauen, die vom dem Gesetz direkt betroffen sind, nicht besser. Die Regierung greife in Bereiche ein, die sie nichts angingen. VICE NEWS zitiert dazu eine der Demonstrantinnen: „Jedes Mal, wenn ich jetzt meine Haustür verlasse, bin ich eigentlich eine Verbrecherin. Das wird enorme Konsequenzen für mich haben, denn ich werde erwägen müssen, ob es für mich notwendig ist, überhaupt aus dem Haus zu gehen oder nicht“. Auch Islam-Experte Dr. Abdullah Sahin kritisiert die neue Vorschrift stark. Er ist der Meinung, das Verbot sei eine unnötige und unverhältnismäßige Maßnahme, die durch die weitere Entfremdung und Stigmatisierung der Muslime entstehen könne. 

Der/Die JournalistIn hinter dem Alias „Rit“ ordnet die Burka-Debatte in einen größeren Kontext ein. Im INDIAN WIRE schreibt Rit, dass die Burka-Debatte in Dänemark nicht nur wichtig für das Land selbst sei, sondern ein Symptom für Konfliktlinien in ganz Europa. Wichtig sei beispielsweise die Konfliktlinie zwischen dem Norden und dem Süden in Europa besser zu verstehen. Der wohlhabende Norden betrachte seine Traditionen und Kirchen als Hüter seiner Freiheit und schütze sie besonders stark. Diese Freiheit sei aber oberflächlich, wenn sie von einigen konservativen Einwanderern bedroht werden könne, die ihre Tradition zur Schau stellen. Der rasche Aufstieg des Südens habe dabei zu Verschärfung dieser Situation beigetragen. 

The continent of Europe has to keep in mind that moral supremacy, realist power, wealth and influence, and even nuclear capabilities do not matter in the slightest – as long as there are living people intolerant and unaccepting of others, the conflict will continue to reign supreme”.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Thema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Olga Osintseva
Kommt aus:Russland
Politische Position:Bezeichnet sich selbst als mitte-links
Arbeitet für/als:Arbeitet als Redakteurin bei The Buzzard und als Event- und Community-Managerin beim Strascheg Center For Enterpreneurship in München
Was Sie noch wissen sollten:Osintseva hat 2015 ihren Master in Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg abgeschlossen. Sie kommt aus Russland und lebt mittlerweile seit vier Jahren in Deutschland.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.