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Türken und Muslime werden besonders oft diskriminiert
Türken und Muslime werden besonders oft diskriminiert

Das Argument in Kürze:

Wer eine dunklere Hautfarbe hat, mit Akzent spricht oder ein Kopftuch trägt, wird in Deutschland häufiger diskriminiert als Zuwanderer, die „typisch deutsch“ aussehen. Das mag nicht neu klingen, wurde aber in einer Studie des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen zum ersten Mal für Deutschland belegt. Alex Wittlif hat die Ergebnisse der Studie zu den subjektiven Diskriminierungsverfahren von Migranten zusammengefasst. Das Ergebnis ist eindeutig: Deutschland hat ein Rassismusproblem.

Türken und Muslime fühlen sich besonders häufig diskriminiert

Für die Studie wurden die Diskriminierungswahrnehmungen von Migranten unter anderem bei der Wohnungssuche sowie im Bildungsbereich und auf dem Arbeitsmarkt untersucht. Das SVR-Integrationsbaromenter zeigt: Wer anders aussieht, erlebt mehr Diskriminierung. So fühlen sich Zugewanderte, die sich als äußerlich typisch deutsch einschätzen, zu 17 Prozent diskriminiert, während Migranten, die sich phänotypisch unterscheiden, zu 48 Prozent von Benachteiligung berichten. Allerdings unterscheiden sich die Diskriminierungserfahrungen je nach Migrantengruppe. 26% der Migranten, die aus einem europäischen Land nach Deutschland kommen, fühlen sich diskriminiert. Bei Menschen mit türkischen Wurzeln ist der Anteil mehr als doppelt so groß. Eine noch größere Auswirkung spielt allerdings die Religionszugehörigkeit. Muslime werden nach subjektiver Einschätzung mit 55 Prozent weitaus häufiger benachteiligt, als beispielsweise Christen oder Buddhisten.

Selbstkritisch gibt der Bericht zu, dass die subjektive Diskriminierungswahrnehmung nicht unbedingt die tatsächliche Diskrimierung abbilden kann, einfach, weil manche Menschen ihre Benachteiligung unterschätzen, andere sie hingegen überschätzen. Trotzdem, so der Anspruch der Autoren, seien die Studienergebnisse brauchbar. Zum Beispiel für politische Akteure, die Antidiskrimierungskampagnen im Bildungswesen oder in der Stadtentwicklung planen. Das ist durchaus sinnvoll, denn:

„Diskriminierung [ist ] aber auch dem Wohl der Mehrheitsbevölkerung abträglich, beispielsweise wenn das Humankapital von Menschen mit Migrationshintergrund von Unternehmen nicht in vollem Umfang eingesetzt wird, falls (bewusst oder unbewusst wirkende) Vorurteile zur Benachteiligung von Zugewanderten im Einstellungsprozess führen. Der daraus entstehende Schaden kann langfristig zur strukturellen Schlechterstellung ganzer Zuwanderergruppen (z. B. auf dem Arbeitsmarkt) führen und schlimmstenfalls den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden. Für die Zugewanderten kann Diskriminierung – über die strukturellen Folgen hinaus – zu gesundheitlichen und psychischen Problemen führen.“

Der Beitrag wird empfohlen von Elena Reger.

Wer steckt dahinter?

Alex Wittlif
Kommt aus:Bielefeld
Arbeitet für/als: ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Jahresgutachten des Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration in Berlin
Was Sie noch wissen sollten:Wittlif studierte Geschichte und Soziologie in Bielefeld und gründete zu Studienzeiten eine Tagespflege für Senioren und eine Rechtsberatung für Migranten. Beiden Themen widmet er sich auch in seiner Abschlussarbeit, denn darin untersuchte er den Zusammenhang von kulturellem Kapital und Gesundheit bei Personen mit und ohne Migrationshintergrund
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