Zurück zur Debattenübersicht
Rassismus gegenüber Deutschen gehört jetzt zum guten Ton
Rassismus gegenüber Deutschen gehört jetzt zum guten Ton

Argument in Kürze:

Rassismus ist in Deutschland verpönt. Und das ist gut so. Nur wenn er sich gegen “die Deutschen” richtet, wird er plötzlich akzeptabel, kritisiert Marc Felix Serrao in der NZZ. Linke und junge Migranten nutzten gern Begriffe wie “Kartoffeldeutsche”, um negative Eigenschaften von Deutschen herauszustellen. Dass sie damit ebenfalls rassistische Stereotype bedienen, werde meist nicht hinterfragt.

Linke Deutsche und junge Migranten halten Bezeichnungen wie „Biodeutsche“ nicht für rassistisch

Den Anlass für Serraos Kritik gab der Leitartikel von Özlem Gezer im Spiegel vom Juli 2018. Darin beanstandet die Autorin den teils fragwürdigen öffentlichen Umgang mit der Affäre Özil. Jedoch, so Serrao, verfalle Gezer selbst in Klischees, weil sie durchgängig Begriffe wie „der echte Deutsche“ und „das deutsche Herkunftskollektiv” gebrauche, und nicht zwischen rassistischen und nicht rassistischen Deutschen unterscheide.

Nicht nur Migranten, die sich von der deutschen Mehrheitsgesellschaft ausgeschlossen fühlen, nutzen die Schubladen-Begriffe „Kartoffel“ oder „Alman“. Auch viele Deutsche gingen immer mehr dazu über, teils ironisch, teils ernsthaft, Deutsche im Allgemeinen zu kritisieren. Damit werde ein negativ besetztes mediales Bild von „dem Deutschen“ geschaffen.

Serrao bezieht sich auf folgendes Dilemma: Es ist zu kurzgegriffen, alle Migranten in eine Schublade zu stecken, aber es ist ebenfalls zu simpel, alle Deutschen in einen (Kartoffel-)Topf zu werfen. Trotz aller gut gemeinten Selbstkritik werde damit ein ungerechtes Bild ohne Graustofen von “dem Deutschen” geschaffen. Den gibt es aber genauso wenig wie “den Türken”.

„Für viele linke Journalisten und leider auch für viele jüngere Migranten gehört der Spott über das autochthone Deutschland inzwischen zum guten Ton. Die Motivation ist unterschiedlich. Die einen hadern schon immer mit ihrer Herkunft und haben in diesem Hadern eine Art Ersatzheimat gefunden. Die anderen haben eigene, oft leidvolle Erfahrungen mit rassistischen Gartenzwergen gemacht – und sich daraus ein Zerrbild «des Deutschen» gebastelt. Sich selbst würden sie alle miteinander als Antirassisten bezeichnen“.

Der Beitrag wird empfohlen von Elena Reger.

Wer steckt dahinter?

Marc Felix Serrao
Kommt aus:Hannover
Politische Position:leitender Redakteur im Berliner Büro der Neuen Zürcher Zeitung
Was Sie noch wissen sollten:Serrao ist Diplom-Politologe und hat einen MBA am Kellog School of Management gemacht. Er war freier Mitarbeiter unter anderem beim Tagesspiegel und der Welt am Sonntag, hat bei der SZ volontiert und dort bis 2016 als Medienredakteur gearbeitet. Nach einem Ausflug zur FAS ist er seit Juli 2017 für die NZZ tätig
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.