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In Afrika helfen ausgerechnet die Armen den Flüchtlingen
In Afrika helfen ausgerechnet die Armen den Flüchtlingen

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

die öffentliche Stimmung in Spanien gegenüber Flüchtlingen könnte erstmals kippen. Seit sich die spanische Regierung im Juni bereit erklärt hat, das Rettungsschiff „Aquarius“ an Land zu lassen, steigt die Zahl der Zufluchtsuchenden im Land und die Kritiker in Spanien werden lauter.

Bis Ende Juli sollen dieses Jahr bereits 24 000 Flüchtlinge in Spanien angekommen sein, mehr als doppelt so viele als im Vorjahr – die meisten über den Seeweg. Die WELT berichtet: Allein von vergangenen Freitag bis Sonntag hat die spanische Seenotrettung vor der Südküste des Landes mehr als 1400 Flüchtlinge auf mehreren Dutzend Booten gerettet.

Spaniens Regierung bekommt dabei von anderen Staaten in der EU bisher wenig Unterstützung. Und die Kritiker im eigenen Land werden lauter. Albert Rivera, Chef von Spaniens liberaler Partei, klagt: Die Regierung solle endlich mit dem „Gutmenschentum“ aufhören und eine Lösung für die illegale Einwanderung suchen. Der neue Chef der konservativen Volkspartei in Spanien, Pablo Casado, twittert: „Kein Sozialstaat ist in der Lage, Millionen Afrikaner zu absorbieren.“ Er fordert, die Regierung dürfe kein „Blanko-Bleiberecht“ erteilen und klingt damit ähnlich wie Horst Seehofer in Deutschland, der vor „Asyltourismus“ warnt.

Wir empfehlen heute einen Beitrag in der TAZ, der zeigt: Die Angst vor Flüchtlingen ist im reichen Europa weiter verbreitet als in vielen afrikanischen Staaten. Im Grenzgebiet von Nigeria, Tschad und Niger sind zurzeit Hunderttausende auf der Flucht. Obdach und Verpflegung finden sie ausgerechnet bei der ärmlichen Landbevölkerung. Während Politiker in Europa vor der Überforderung durch Flüchtlinge warnen, nehmen Bauern in Westafrika in diesen Tagen zehntausende Flüchtlinge auf und verpflegen sie. Alexandra Rojkov berichtet:

„Nach und nach kamen etwa 200 Flüchtlinge in Kabi an. Um sie zu versorgen, verkaufte jede Familie im Dorf ein oder zwei Ziegen. Man rückte zusammen, machte Hütten frei, teilte Felder und Wasser. Battit, der selbst neun Kinder und eine greise Mutter zu ernähren hat, nahm zwei Familien auf. Aus 12 Personen in seinem Haushalt wurden plötzlich 31, verteilt auf drei Lehmhütten, die Battit besitzt.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einer aktuellen Nachricht eine alternative Sichtweise bietet. Für mehr Perspektiven zur europäischen Flüchtlingspolitik empfehlen wir unsere Debattenübersicht zur Frage: Sollten wir uns in der EU mehr gegen Flüchtlinge abschotten?

 

Wer steckt dahinter?

Dario Nassal
Kommt aus:Gebürtig Stuttgart; jetzt: Leipzig; zuvor: Amsterdam & Mannheim
Politische Position:Findet Politik in Deutschland sollte umweltfreundlicher und sozialer gestaltet sein.
Arbeitet für/als:Gründer & Geschäftsführer bei TheBuzzard.org
Was Sie noch wissen sollten:Dario ist Mitgründer von TheBuzzard.org. Er hat zuvor bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, der STUTTGARTER ZEITUNG und dem MANNHEIMER MORGEN geschrieben und Politikwissenschaften in Mannheim, Istanbul und Amsterdam an führenden europäischen Universitäten studiert.
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