Zurück zur Übersicht
Unsere Sparkontos finanzieren den Krieg im Jemen
Unsere Sparkontos finanzieren den Krieg im Jemen

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

die Bundesregierung scheint ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag in die Tat umzusetzen: Rüstungsexporte an Länder, die im Jemen-Krieg beteiligt sind, hat die Große Koalition in den vergangenen Monaten fast gänzlich gestoppt.

Die Meldung ging vergangene Woche durch alle Medien. „Kaum noch Waffenexporte an Türkei und Saudi-Arabien“, titelt die WIRTSCHAFTSWOCHE. „Fast keine Waffenverkäufe in die Türkei und nach Saudi-Arabien“, schreibt ZEIT ONLINE. „Seitdem die neue Bundesregierung waltet, finden kaum noch Rüstungsgeschäfte mit der Türkei und Saudi Arabien statt“, betont auch die NEUE PRESSE aus Hannover. Seit der Vereidigung des neuen Kabinetts am 14. März 2018 scheinen Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien und in die Türkei nur noch in Einzelfällen genehmigt worden sein.

Die Mehrheit der Deutschen dürften sich über diese Nachricht gefreut haben. Schließlich wollen laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov rund zwei Drittel aller Deutschen das Ende sämtlicher Waffenexporte. Die Exporte in Länder wie Saudi-Arabien, die im Jemen kämpfen, sind besonders unbeliebt.

Dass diese Meldung trotzdem kein Grund für ein beruhigtes Gewissen sein sollte, zeigt eine aktuelle Studie der Menschenrechtsorganisationen URGEWALD und FACING FINANCE. Die NGOs haben herausgefunden, dass führende deutsche Finanzinstitute dreistellige Millionenbeträge mit Waffenlieferungen an Länder verdienen, die im Jemen-Krieg beteiligt sind. Und zwar ganz unabhängig davon, was die deutsche Regierung genehmigt. Denn die deutschen Banken investieren auch Milliarden in die Geschäfte von Waffenexporteure aus dem Ausland. Die UniCredit Group, zu der die HypoVereinsbank zählt, hat beispielsweise einen 750-Millionen-Euro-Kredit an den US-Rüstungskonzern Lockheed Martin vergeben, der seine Produkte weiterhin an Staaten liefert, die im Jemen Krieg führen. 10 von 17 untersuchten deutschen Banken sowie alle vier untersuchten deutschen Vermögensverwalter sind an Rüstungsexporteuren beteiligt, die Länder beliefern, die gegen den Jemen Krieg führen.

Barbara Happe, Rüstungsfinanzexpertin bei URGEWALD, kommentiert:

Die großen deutschen Fondsgesellschaften wollen trotz der öffentlichen Debatten offenbar weiterhin von steigenden Aktienkursen der Rüstungsbranche profitieren. Leider schließen auch die Fondsgesellschaften von Sparkassen und Volksbanken Geschäfte mit dem Krieg nicht aus. Die Kehrseite dieses vermeintlichen ‚Renditewunders‘ ist eine stetig steigende Zahl von Toten und Verletzten in den Kriegs- und Krisenregionen dieser Welt.

 

Hier entlang zur Studie.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einer aktuellen Nachricht eine alternative Sichtweise bietet. Für mehr Perspektiven zu Waffenlieferungen der Bundesregierung empfehlen wir unsere Debattenübersicht: Gibt es gute Gründe, deutsche Waffenexporte zu rechtfertigen?

 

Wer steckt dahinter?

Dario Nassal
Kommt aus:Gebürtig Stuttgart; jetzt: Leipzig; zuvor: Amsterdam & Mannheim
Politische Position:Findet Politik in Deutschland sollte umweltfreundlicher und sozialer gestaltet sein.
Arbeitet für/als:Gründer & Geschäftsführer bei TheBuzzard.org
Was Sie noch wissen sollten:Dario ist Mitgründer von TheBuzzard.org. Er hat zuvor bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, der STUTTGARTER ZEITUNG und dem MANNHEIMER MORGEN geschrieben und Politikwissenschaften in Mannheim, Istanbul und Amsterdam an führenden europäischen Universitäten studiert.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.