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Das politische Meinungsspektrum wird immer größer – und das ist auch gut so
Das politische Meinungsspektrum wird immer größer – und das ist auch gut so

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

wieder ist eine Woche voller brisanter, politischer Debatten vergangen: Migration und Flüchtlingspolitik, der Islam in Deutschland, Integration und Abschiebung sind Schlagworte, die beinahe täglich in den Medien zu finden sind. Mit diesen Themen gehen Meinungen und Kommentare einher, die das gesamte politische Spektrum abdecken. Einige scheinen radikal, unannehmbar, undenkbar.

Während viele dieser Radikalisierung vielleicht fassungslos und mutlos gegenüberstehen, kann ZEIT-Kolumnist Lenz Jacobsen dem jedoch etwas Positives abgewinnen. Er beschreibt den Mechanismus des Overton-Fensters: Demnach könne man politische Meinungen sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite in fünf Kategorien unterteilen, nämlich populär, sensibel, gerade noch akzeptabel, radikal, undenkbar. Das Overton-Fenster umfasse nur die populären Meinungen in der Mitte des Spektrums. Politiker konzentrierten sich vor allem auf diesen Bereich, um bei der breiten Masse beliebt zu bleiben.

Das Fenster lasse sich jedoch auch verschieben, und genau das passiere im politischen Diskurs gerade. Wenn radikale Meinungen genügend öffentliche Aufmerksamkeit bekämen, würden einst sensible oder gerade noch akzeptable Positionen normalisiert. Diese Dynamik sei in beide Richtungen möglich. Jacobsen findet es gut und wichtig, dass die Verschiebung des Fensters stattfindet: „Denn was für ein Horror wäre es, wenn alles immer so bleiben müsste, wie es ist? Was für ein Glück, dass wir heute andere Meinungen vertreten können als unsere Vorfahren, ja, sogar als wir selbst sie noch vor ein paar Jahren oder Monaten oder gar Tagen hatten.“ Der momentane Diskurs deute darauf hin, dass sich das Fenster sogar eher öffne als nur verschiebe, was Jacobsen als „Frischmeinungszufuhr“ begrüßt. Politische Diskussionen seien früher bequem gewesen, solange das Fenster noch zu war. Jetzt sei das anders – eine neue Herausforderung, der man sich stellen könne.

„Genau das geschieht, wenn AfD-Politiker davon reden, an der Grenze auf Flüchtlinge zu schießen, wenn sie von ‚Kopftuchmädchen und sonstigen Taugenichtsen’ sprechen oder die NS-Zeit als ‚Vogelschiss’ in der langen deutschen Geschichte bezeichnen. All diese Aussagen liegen weit außerhalb des Overton-Fensters, sie sind undenkbar oder radikal. Aber wenn sie nur genug Aufmerksamkeit bekommen und die Öffentlichkeit beschäftigen, scheinen danach die Positionen, die bisher sensibel oder gerade noch akzeptabel waren, im Vergleich gemäßigter, normaler.“

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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