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Konsumenten können sich nicht einmal auf das Fairtrade-Siegel verlassen
Konsumenten können sich nicht einmal auf das Fairtrade-Siegel verlassen

Das Argument in Kürze:

Dem Verbraucher kann man nicht einfach die Schuld geben für moderne Sklaverei. Denn die Informationen, die Verbraucher haben, wenn sie im Supermarkt einkaufen, sind oft irreführend. Das hat der britische Ökonom Christopher Cramer herausgefunden. Mit seinem Forschungsteam von der Universität London hat er entdeckt, dass Arbeiter in Uganda und Äthiopien auf Fairtrade-Farmen oftmals weniger verdienen als auf Farmen ohne Siegel.

Fairtrade Gelder werden nicht dort verteilt, wo sie wirklich gebraucht werden  

Vier Jahre haben Cramer und sein Team von der University of London zu Fairtrade-Siegeln geforscht. Die meiste Zeit über waren sie in Äthiopien und Uganda vor Ort, haben Umfragen durchgeführt, Geschichten von Dorfbewohnern und Arbeitern aufgenommen, mit Managern von Fairtrade Projekten gesprochen, Händler und Politiker interviewt  und sie haben die Farmen besucht, die Krankenhäuser und Schulen.

Das Ergebnis habe ihn sehr überrascht, berichtet Cramer im GUARDIAN: Arbeiter, die auf Farmen mit Siegeln arbeiten, haben oftmals ein geringeres Einkommen, als Arbeiter auf Farmen ohne Siegel und ihre Lebensumstände sind im Schnitt schlechter.

Warum ist das so? Die Antwort fanden Cramer und sein Team, als sie mit den Menschen vor Ort sprachen und ein Bild davon bekamen, wie die Gelder im Detail verwendet werden. Ein großer Teil der Fairtrade-Einnahmen werde in Einrichtungen investiert, zu denen die Ärmsten der Armen keinen Zugang haben, berichtet Cramer. Auf einer Teefarm seien von den Geldern beispielsweise Toiletten finanziert worden, die nur die Manager benutzen dürfen. In einem anderen Beispiel berichtet Cramer von einem jungen Arbeiter namens James in Uganda, der Gebühren bezahlen muss, wenn er sich in der Fairtrade-Klinik seiner Fabrik behandeln lassen möchte. Das kann er sich nicht leisten. Und deshalb muss er 5 Kilometer zu Fuß gehen, um zu einer öffentlichen Klinik zu kommen.

Es sind Details wie diese, die Konsumenten nicht kennen, wenn sie im Supermarkt einkaufen. Cramer fordert deshalb mehr Transparenz. Bevor Konsumenten beim Einkaufen die ethisch richtigen Entscheidungen treffen können, müssen sie auch richtig informiert werden, wohin ihr Geld fließt:

„Was wir in diesem Forschungsprojekt herausgefunden haben, ist, dass es theoretisch einen Unterschied machen kann, was wir im Westen kaufen. Nur müsste man als Verbraucher eine fairere Chance haben wirklich informierte Entscheidungen zu treffen.“

Dieser Beitrag wird empfohlen von Dario Nassal.

Wer steckt dahinter?

Christopher Cramer
Kommt aus:London
Politische Position:
Arbeitet für/als:Cramer forscht und lehrt an der Universität London am Institut für Entwicklungsforschung. Sein Forschungsschwerpunkt ist politische Ökonomie in Afrika.
Was Sie noch wissen sollten:Cramer hat ebenfalls an der Cambridge Universität und an Universitäten in Moçambique, Südafrika, Äthiopien, Tanzania und Namibia unterrichtet. Sein Buch Civil War is Not a Stupid Thing: Accounting for Violence in Developing Countries wurde mit dem Edgar Graham Memorial Buchpreis ausgezeichnet. Er twittert unter @CramerChristoph.
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