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Özils Rücktritt ist ein Zeichen für den Triumph der Alphamänner im deutschen Fußball
Özils Rücktritt ist ein Zeichen für den Triumph der Alphamänner im deutschen Fußball
( Link zum Originalbild | Urheber: Новикова Юлия | Wikimedia Commons | CC BY SA 3.0 )

Der Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

der Rücktritt des Fußballers Mesut Özil beschäftigt die deutsche Presse. In seiner Begründung, die Özil in den sozialen Medien veröffentlicht hat, bezeichnet sich der Spieler als Opfer von Rassismus.

Seitdem diskutieren die großen Zeitungen hierzulande über Özils Rücktritt. Die BILD kritisiert Özil und nennt sein Statement einen „Jammer-Post“. Der SPORTBUZZER sieht in seinem Rücktritt die „beleidigte und beleidigende, zornige Abrechnung eines Gekränkten.“ Die FAZ bemängelt, dass Özil sich nicht klar genug zur Menschenrechten und zur Pressefreiheit bekenne.

Die ZEIT hält den Rücktritt für ein fatales, besorgniserregendes Signal. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG findet der Rücktritt sei eine Zäsur „für das Miteinander, für das Zusammenleben von Menschen mit türkischen Wurzeln und solchen, die in der x-ten Generation in Deutschland leben” und sei „die wahre Niederlage der Nationalmannschaft“, nicht das Ausscheiden in der Vorrunde.

All diese Kommentare konzentrieren sich vor allem auf die Rassismus-Vorwürfe Özils und die Frage, ob der Fußballer tatsächlich zur Zielscheibe rassistischer Attacken wurde.
Ein Beitrag vom Redakteur Klaus Walther in der TAZ findet, dass dabei etwas wichtiges übersehen wird: Beim DFB-Rücktritt von Özil gehe es nicht nur um Rassismus, sondern vor allem auch um einen „Triumph der Alphamänner“ im Deutschen Fußball. Özil steche heraus durch seine etwas andere Art Fußball zu spielen, mit seiner Körpersprache und seinem etwas anderen Auftreten. Er wirke schlicht weniger maskulin. Walther sieht darin: „Symptome einer Fußball(un)männlichkeit, die so gar nicht nach deutschem Tugendschweiß und German Panzer riecht.“ Deshalb ist er der Meinung:

„Özils Rücktritt ist nicht nur ein Triumph des Rassismus, er ist auch einer des maskulinistischen Rollbacks von rechts, in dem kernige weiße Heteromänner ihre Machtpositionen gegen Genderwahn und Diversity vorwärtsverteidigen.“

 

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Wer steckt dahinter?

Veronika Caslavska
Kommt aus:Kommt aus Prag, studiert gerade in Leipzig.
Politische Position:Eine aktive Zivilgesellschaft, die sich für Politik interessiert und einsetzt, ist unersetzlich, damit die Demokratie am Leben bleibt. Deshalb setze ich mich für zivilgesellschaftliches Engagement und politische Bildung ein.
Arbeitet für/als:Studentin der Journalistik und Medienwissenschaften an der Karls-Universität in Prag und Universität Leipzig. Journalistin und Copywriterin.
Was Sie noch wissen sollten:Veronika hat für mehrere tschechische Zeitschriften gearbeitet, unter anderem für Newsweek, Respekt und Reporter. Sie schreibt über Zivilgesellschaft, über Gesellschaftsthemen allgemein, aber auch über Architektur und Design.
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