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Ein weicher Brexit ist die einzig realistische Option
Ein weicher Brexit ist die einzig realistische Option
( Link zum Originalbild | Urheber:EU2017EE Estonian Presidency | Wikimedia Commons | CC BY 2.0 )

Das Argument in Kürze:

Der Politikwissenschaftler Julian Pänke ist kein Brexit-Befürworter. Trotzdem weiß er: Das Referendum der Briten wird sich nicht einfach rückgängig machen lassen. Theresa May und die EU müssten also ein Ausstiegsszenario finden, das möglichst wenig Kosten verursacht und für alle Beteiligten akzeptabel ist. Das einzige Szenario, das diesen Kriterien gerecht wird, ist der weiche Brexit, meint Pänke. Alle anderen Optionen seien unrealistisch.

Es gibt nur drei Möglichkeiten: Hard Brexit, Soft Brexit oder No Brexit

In seinem Beitrag für den Blog TruLies beschreibt der Politikwissenschaftler zunächst, welche Optionen auf dem Tisch liegen: Hard Brexit, Soft Brexit oder No Brexit. Beim Hard Brexit müsste das Königreich ganz und gar raus aus der Union und erst anschließend könnte man neu über bilaterale Handelsabkommen verhandeln. Beim Soft Brexit würde Großbritannien ein Teil des europäischen Binnenmarktes bleiben, dafür müsste es gewisse Regeln wie die Freizügigkeit des Personenverkehrs akzeptieren und Abgaben an Brüssel zahlen. Die Option No Brexit bestünde darin, dass ein zweites Referendum abgehalten wird und Großbritannien Mitglied der EU bleibt.

Der Soft Brexit wird sich durchsetzen, alles andere wäre Unsinn

Von diesen drei Optionen hält Pänke nur den Soft Brexit für realistisch. Den Brexit rückgängig zu machen sei undemokratisch, schließlich kam das Ergebnis durch freie und faire Wahlen zustande. Der harte Brexit würde wehtun. Und zwar beiden Seiten. Die EU und Großbritannien müssten mit großen Wirtschaftseinbußen rechnen und die Verhandlungen über Handelsabkommen nach dem Ausstieg wären kompliziert und langwierig.

Viel einfacher und plausibler sei es daher, einen weichen Brexit durchzusetzen: Die Wirtschaftsräume der EU und von Großbritannien müssen nicht kompliziert auseinander-dividiert werden, vieles kann bleiben, wie es ist. Interessanterweise prognostiziert Pänke, dass auch May deshalb langfristig auf einen Soft Brexit setzen werde. Interessant, weil sein Artikel knapp zwei Jahre alt ist und er darin vorherzusagen scheint, was jetzt gerade in Brüssel und London passiert.

Und deshalb muss ich sagen: Obwohl der Brexit ein Schock war, bin ich nun, drei Wochen später, zum ersten Mal ein bisschen optimistischer was die Zukunft anbelangt. Denn womöglich wird es der neuen britischen Regierung gelingen, eine Lösung zu finden, die die Entfremdung durch den Brexit auf ein Minimum reduziert.

Dieser Beitrag wird empfohlen von Dario Nassal.

Wer steckt dahinter?

Julian Pänke
Kommt aus:Birmingham, Großbritannien
Arbeitet für/als:Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent im Fachbereich “Europapolitik” an der Universität Birmingham und Forscher am Institut für Europäische Politik in Berlin. Das Institut ist eine gemeinnützige Organisation, Institutspräsident ist der FDP-Politiker Werner Hoyer.
Was Sie noch wissen sollten:Pänke hat Geschichte und Politikwissenschaft in Berlin studiert, wurde in Frankfurt/Oder promoviert und hat als Wissenschaftler und Dozent u.a. in Russland und dem Libanon gearbeitet.
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