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Iraks Probleme gehen weit über den IS hinaus
Iraks Probleme gehen weit über den IS hinaus

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

in der südirakischen Provinz Basra gehen seit über einer Woche tausende Menschen auf die Straßen. Vielen von ihnen geht es nur um das Nötigste: Sie fordern den Zugang zu ausreichend Trinkwasser und Elektrizität.

Eigentlich sollten Basra und seine Einwohner reich sein. Denn die Mehrheit der irakischen Ölexporte entstammt der Provinz. Tatsächlich ist die Armut aber so groß, dass ein Teil der Demonstranten aus Wut den Zugang zu Ölfeldern blockiert hat.

In einem gut sortierten Beitrag für Middle East Eye zeigt Ibrahim Al-Marashi, warum der sogenannte Islamische Staat (IS) keineswegs das einzige Problem ist, mit dem sich der Irak auseinander setzen muss. Al-Marashi zeichnet das Bild einer Provinz, die von Kriegen gezeichnet ist und von Korruption geplagt.

Nachdem die Provinzhauptstadt im Krieg mit dem Iran der 1980er Jahre zerstört wurde, verweigerte der irakische Präsident Saddam Hussein den Wiederaufbau. Er bestrafte damit die Provinz, die sich wenige Jahre später gegen den Diktator aufgelehnt hatte. So spitzte sich das Leid in Basra bis zum Jahrtausendwechsel zu. Eine Teilschuld daran trugen auch die Sanktionen der UN, die den gesamten Irak in eine Versorgungskrise führten. Mit der US-Invasion von 2003 kamen die großen Öl- und Gasfirmen, doch die Einnahmen erreichten die Bevölkerung nicht. Stattdessen aber die Folgen der Umweltverschmutzung durch die Energiegiganten.

In vielerlei Hinsicht steht Basra für den gesamten Irak: Durch die allgegenwärtige Korruption und Klientelpolitik bleibt die Mehrheit der Iraker auf der Strecke.

„The situation in Basra is reminiscent of the Niger Delta; both regions are abundant in hydrocarbons, yet do not enjoy the largesse of this energy source. Instead they suffer the environmental degradation caused by exploiting oil and gas, including air and water pollution, and rarely are the locals in either area employed in the industry, while the capital city and its political class reap all the benefits. This paradox, where areas rich in oil often suffer as a result, is referred to as the „resource curse„, and it would be fair to say Basra is cursed.“

 

Hier entlang zum Originalartikel

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit. Unsere aktuelle Debatte widmet sich der Frage: „Braucht die EU die USA zur Verteidigung?“

Wer steckt dahinter?

Lars Hauch
Kommt aus:Münster, Deutschland
Politische Position:Gegen eurozentristische Betrachtung der muslimischen Welt, gegen machtverschleiernde Ideologien, für soziale Nachhaltigkeit
Arbeitet für/als:Schreibt als freier Journalist über Islamismus und Sicherheitspolitik im Mittleren Osten, u.a. für Middle East Eye, Krautreporter, Internationale Politik und Gesellschaft, Blätter für deutsche und internationale Politik. Seit kurzem recherchiert und schreibt er auch für The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Studierte International Development Studies an der Universität Wien und Politikwissenschaften an der Universität Münster
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