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Warum Flüchtlinge auf dem Mittelmeer nicht mehr dasselbe Mitgefühl bekommen, wie die Jungen in der thailändischen Höhle
Warum Flüchtlinge auf dem Mittelmeer nicht mehr dasselbe Mitgefühl bekommen, wie die Jungen in der thailändischen Höhle

Der Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

inzwischen wissen wir, die zwölf Jugendlichen, die in der Tham Luang Höhle im Norden Thailands mit ihrem Fußballtrainer festsaßen und sich nicht aus eigener Kraft befreien konnten, sind in Sicherheit und unter ärztlicher Beobachtung. Nach mehr als zwei Wochen gelang die Rettung mit Profitauchern schneller und einfacher als erwartet. Zuvor war ein Profitaucher ums Leben gekommen, der der Gruppe zu Hilfe kommen wollte. Wohl die ganze Welt hatte Anteil an dem Schicksal der Gruppe und ihrer Helfer, zig internationale Fernsehteams und Reporter waren zu der Höhle gereist und berichteten teils in Echtzeit über die Rettungsaktionen, ein US-Filmproduzent soll sogar schon Interesse an einer Verfilmung gezeigt haben.

Warum aber ist die Anteilnahme für die Jungen so groß, während das Mitleid mit Flüchtlingen, die auf dem Mittelmeer  vom Tod bedroht oder gar sterben und oft im selben Alter wie die Fußballer sind, scheinbar viel geringer? Und warum werden im Meer sogar Tote in Kauf genommen, indem etwa zur Hilfe geeilten Schiffen das Einlaufen in ihren europäischen Zielhafen verweigert wird?

Erst erklärt Matthias Drobinski in seinem Kommentar in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG kurz und treffend, wie es zu diesen unterschiedlichen Auffassungen kommt. Dann folgert er daraus, es werde mit zweierlei Maß gemessen. Denn die „Skala des Diskutierbaren“ habe sich verschoben. Vor ein paar Jahren habe es noch viel mehr Mitleid mit schiffbrüchigen Flüchtlingen gegeben. Dieses Mitgefühl aber werde nun infrage gestellt, vor allem von Rechtspopulisten, die andere dafür als naiv und gefährlich selbstzerstörerisch diffamieren. Davor warnt Drobinski, Mitleid solle nicht als Schwäche dargestellt werden, sondern als Stärke.

„Die Flüchtlinge sind den Europäern nahegerückt mit ihrem Elend und ihrer Not; die thailändischen Jungs sind ihnen unschuldig fern geblieben. Und aus der Nähe betrachtet, verlieren Elend und Not schnell ihre Unschuld. (…) Doch dem Ertrinkenden das Mitleid zu entziehen, ist ein gefährlicher Zivilisationsverlust.“

 

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Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie eine Debattenübersicht zur Frage: Wird Deutschland vom Einwanderungs- zum Ausgrenzungsland?       

Wer steckt dahinter?

Clara Lipkowski
Kommt aus:Gebürtig aus Essen, aktuell in Bayern
Arbeitet für/als:Freie Journalistin
Was Sie noch wissen sollten:Lebte studiumsbedingt in Düsseldorf, Berlin und St. Petersburg. Nun berufsbedingt in München. Interessiert am politischem Weltgeschehen, Sprachen, Kultur und der russischen Weite.
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