Europa kann sich nicht selbst verteidigen
Europa kann sich nicht selbst verteidigen

Das Argument in Kürze:

Europa braucht die USA, denn wir könnten uns nicht selbst verteidigen, findet die Politikwissenschaftlerin Beate Neuss. Im Interview mit der FREIEN PRESSE sagt sie, dass die Europäische Union noch immer nicht gelernt hat, für die eigene Verteidigung Verantwortung zu übernehmen.

Kein Land kann sich alleine gegen Großmächte und Terrorismus stellen

Historisch gesehen ziehen die USA sich schon seit der Wiedervereinigung und dem Zerfall der Sowjetunion aus Europa zurück, erklärt Neuss. Seitdem hätten sie sich immer mehr auf andere Gebiete wie Nordkorea, Iran oder China fokussiert – unter Donald Trump sei lediglich der Umgang rauer geworden. Trotzdem habe die Europäische Union noch immer nicht gelernt, auf eigene Verteidigung zu setzen. Die Souveränität der einzelnen Länder sei als Ausrede gegen mehr gemeinsame Rüstung und Verteidigung benutzt worden – scheinheilig, wie Neuss findet. Denn kein Land könne sich alleine gegen Großmächte und Terrorismus zur Wehr setzen. Solange die europäischen Staaten sich nicht dazu überwinden können, Souveränität an Brüssel abzugeben, müsse die EU weiterhin auf die USA als Schutzpatron setzen.

„[Die EU] muss lernen, dass eine Geschichte mit großen und kleinen Nationalstaaten keine Ausrede dafür ist, eigene Kräfte nicht effektiv zu bündeln. Das Argument einzelner Länder, Souveränität wahren zu wollen, ist scheinheilig: Kein europäischer Staat ist in Zeiten globaler Großmachtrivalität und terroristischer Bedrohungen allein handlungsfähig. Wer es dennoch versucht, verstärkt die Handlungsunfähigkeit der Europäer insgesamt.“

Dieser Beitrag wird empfohlen von Stephanie Berens.

Wer steckt dahinter?

Beate Neuss
Kommt aus:Deutschland
Arbeitet für/als:Professorin für Internationale Politik an der TU Chemnitz
Was Sie noch wissen sollten:Neuss ist seit 2001 Vizevorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Außenpolitik, Europäische Integration und Transatlantische Beziehungen. Zum Ende des Sommersemesters 2018 wird sie sich in den Ruhestand verabschieden.
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