Zurück zu allen Tagesempfehlungen
Es ist ein gutes Signal, wenn kapitalistische Konzerne die Pride unterstützen
Es ist ein gutes Signal, wenn kapitalistische Konzerne die Pride unterstützen
( Link zum Originalbild | Urheber: Etereuti | Pixabay | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

der 30. Juni 2017 war ein historischer Tag: Ein Jahr ist es nun her, dass der deutsche Bundestag die Ehe für alle verabschiedete. Damit ist es jedoch noch lange nicht getan für die Gleichstellung der LGBTQIA-Community. Deshalb werden in den nächsten Wochen wieder viele Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transmenschen, sowie queere, intergeschlechtliche und asexuelle Menschen auf die Straße gehen. Dabei sind Pride-Veranstaltungen sowohl ein Anlass, um die bisherigen Errungenschaften für die Community zu feiern, aber auch, um weiterhin Kritik an der heteronormativen Gesellschaft zu üben und Gleichstellung einzufordern.

Vor allem in den USA, aber auch in Deutschland beteiligen sich häufig große Firmen an den Pride-Paraden. Das finden nicht alle gut. Steven Thrasher, Doktorand für Amerikanistik an der New York University, schrieb im Juni 2017 für THE GUARDIAN US, dass Firmen, die queeren Menschen und Transmenschen of color erheblichen Schaden zufügen, auf der Pride nichts zu suchen hätten. Dazu gehörten Banken wie Wells Fargo, die schon hohe Bußgelder wegen Diskriminierung zahlen mussten und die Dakota Access Pipeline finanzierten, genauso wie die Polizei, die regelmäßig Gewalt gegen queere und Transmenschen of color ausübe.

Auch in Deutschland gibt es Stimmen, die dagegen protestieren, dass Firmen sich einmal im Jahr während der Pride Month mit Regenbogenflaggen schmücken. So schreibt zum Beispiel der Journalist Julian Wenzel für PULS, dass die Modefirma H&M mit ihrer diesjährigen „Love For All“-Kollektion nur an Umsatz denkt. Kunden aus der LGBTQIA-Community würden als „eine queere Cash Cow“ gesehen, „die einfach nur hart gemolken werden muss“. Zudem würden die Regenbogenshirts nur dort verkauft, wo sie auch Umsatz machen – in Russland zum Beispiel nicht. Das sei laut Wenzel pure Heuchelei.

Aber es gibt auch noch eine andere Seite in dieser Debatte. Der Journalist Patrick Gothman schreibt auf MEDIUM, dass die Beteiligung von Firmen an Pride ein wichtiges Signal von Akzeptanz sende, sowohl an Kunden als auch an Arbeitnehmer. Ein offenes Leben am Arbeitsplatz sei für Viele früher nicht möglich gewesen – und noch immer sei es in den USA legal, Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung zu entlassen. Vor allem an Orten, an denen queere und Transmenschen wenig akzeptiert werden, sei es wichtig, dass Kunden und Arbeitnehmer in Firmen einen Zufluchtsort sehen können.

„Kritik an der Beteiligung von großen Firmen an Pride geht häufig davon aus, dass der Arbeitsplatz ein sicherer und toleranter Ort sei. Sie vergisst nicht nur unsere queere Geschichte, in der der Arbeitgeber oft der Hauptgrund war, sich nicht zu outen, sondern auch unsere momentane Realität, in der es in weiten Teilen des Landes noch immer legal ist, jemanden wegen seiner sexuellen Orientierung zu feuern.“

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.