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Wir gewinnen Pflegepersonal – aber der Balkan verliert mit seinen Arbeitskräften bares Geld
Wir gewinnen Pflegepersonal – aber der Balkan verliert mit seinen Arbeitskräften bares Geld

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat keine leichte Aufgabe: In der Pflege fehlt es an Personal. Bis zu 50.000 Arbeitsplätze müssen in den kommenden Jahren laut Spahn besetzt werden. Heute will er deswegen gemeinsam mit der Familienministerin Franziska Giffey und dem Arbeitsminister Hubertus Heil den Auftakt zu einer „konzertierten Aktion Pflege“ geben. Länder, Arbeitgeber, Gewerkschaften, Kirchen und Wohlfahrtsverbände sollen sich daran beteiligen. „Wir geben uns maximal ein Jahr Zeit. Dann wollen wir konkrete und verbindliche Vereinbarungen mit allen haben, die in der Pflege Verantwortung tragen“, zitiert die ZEIT den CDU-Politiker. Die benötigten Arbeitsplätze will Spahn dabei auch im Ausland suchen – „aber nur in Ländern mit sehr junger Bevölkerung, die nicht selbst dringend Pflegekräfte brauchen“. Etwa im Kosovo und in Albanien seien die Pflegeausbildungen häufig besser, als man denke. Soweit zur deutschen Perspektive – für uns könnte die Abwanderung von Fachkräften aus den Ländern des Westbalkans eine Lösung für den Fachkräftemangel sein.

Doch die Staaten des Westbalkans selbst dürften der Emigration mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen. Wir empfehlen heute einen Beitrag, der ihre Perspektive aufzeigt. Denn selbst, wenn die Balkanstaaten die Pflegekräfte „nicht dringend selbst brauchen“ – in die Ausbildung der jungen Leute haben sie viel Geld gesteckt. Aus Serbien sind in den letzten zwei Jahrzehnten 300.000 junge Menschen ausgewandert. Für ihre Qualifikationen hat das arme Land rund zwölf Milliarden Euro ausgegeben. Albanien haben seit 1990 etwa 45 Prozent der Hochschulabsolventen Richtung Ausland verlassen, von den Promovierten sind es sogar 65 Prozent. Andererseits aber gibt es auch einen guten Grund dafür, dass die Regierungen der Staaten sich nicht intensiver gegen die massenhafte Abwanderung wehren: Das Geld, das die Ausgewanderten in ihre Heimat überweisen, macht mittlerweile 20 bis 50 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes aus.

Dušan Reljic, Balkanexperte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, bietet für die Auswanderung auch der Bessergestellten eine grundsätzliche Erklärung an: Die Osteuropäer befänden sich in der „Einkommensfalle“. Selbst in EU-Ländern mit ansehnlicher Industrie, etwa der Slowakei, komme man über 600 Euro im Monat kaum hinaus – für jemanden, der für Auto und Handy deutsche Preise zahlt, ein trauriger Lohn.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Alisa Sonntag
Kommt aus:Ursprünglich aus dem Raum Chemnitz, aktuell in Leipzig.
Politische Position:Arbeitet bei THE BUZZARD, weil sie möglichst viele Menschen ermutigen möchte, die eigene Filterblase ab und an mal zu verlassen.
Arbeitet für/als:Studiert in Halle an der Saale "Multimedia und Autorschaft" und "International Area Studies" im Master. Arbeitet unter anderem für The Buzzard, die Mitteldeutsche Zeitung und die Freie Presse Chemnitz als freie Journalistin.
Was Sie noch wissen sollten:Hat ihr Bachelorstudium in Politik- und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen.
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