Zurück zur Debattenübersicht
Die unzulängliche Türkeipolitik Deutschlands ist der Grund für Erdoğans große Beliebtheit hierzulande
Die unzulängliche Türkeipolitik Deutschlands ist der Grund für Erdoğans große Beliebtheit hierzulande

Das Argument in Kürze:

Wir haben ein falsches Bild von der Türkei. Davon ist der Sozialwissenschaftler Mustafa Esmer überzeugt. Unser Türkeibild ist maßgeblich durch die hier lebenden Türken geprägt. Da viele von ihnen Erdoğan gewählt haben, erscheinen sie uns undemokratisch. Doch für diese Menschen ist Erdoğan kein Diktator, sondern der erste türkische Politiker seit Jahren, der die Belange der Deutschtürken ernst nimmt und sich dafür einsetzt. Das habe die deutsche Türkeipolitik versäumt.

Arroganz und Ignoranz verhindern seit Jahren eine erfolgreiche Integration

In Deutschland herrscht eine feindliche Stimmung gegenüber Türken. Deutsche Politiker begegneten den Belangen der hier lebenden Türken mit Arroganz oder gar Ignoranz. Anstatt sich um die Integration der hier lebenden Türken zu bemühen, wurden türkenfeindliche Kampagnen organisiert. Als Beispiel dafür nennt Esmer das von Helmut Schmidt initiierte und anschließend von Helmut Kohl erfolglos umgesetzte Rückkehrprogramm für sogenannte Gastarbeiter. Symbolhaft für die gleichgültige Türkeipolitik Deutschlands sei auch das Versprechen der Bundesregierung, die als „Döner-Morde“ bezeichneten Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ lückenlos aufzuklären, das bis heute nicht eingehalten werde.
Vor diesem Hintergrund haben sich die Türken Erdoğan zugewandt, nachdem er sich den Türken hierzulande zugewandt hat. Denn unter Erdoğan engagierte sich die Türkei für die Interessen der hier lebenden Türken und forderte aktiv ihre Rechte ein. Es sei deshalb nicht überraschend, dass viele Deutschtürken bei der Präsidentschaftswahl für ihn gestimmt hätten.

„Dass die innenpolitischen Konflikte der Türkei in Deutschland ausgetragen werden, ist nicht zufällig. Ressentiments gegen die Türkei und Türken wurden seit jeher von Bundespolitikern, mit Hilfe der Medien, gezielt geweckt und populistisch aufbereitet für den Wahlkampf in Deutschland missbraucht.“

Warum wir den Beitrag empfehlen:

Wenn man Esmer folgt, wird klar, dass ein negatives Bild von den hier lebenden Türken das gesamte Türkeibild prägt. Doch das sei ein Fehlschluss. Solange wir die Interessen der türkischstämmigen Mitbürger ignorieren, treiben wir sie in die Arme rechtspopulistischer Politiker (vielleicht solange wir von „Wir“ vs. „die Türken“ sprechen). So betrachtet, erscheint die hohe Beliebtheit Erdoğans bei Deutschtürken nachvollziehbar. Aus Esmers Perspektive ist unser Türkeibild zu negativ, weil diese Menschen in Deutschland nie eine faire demokratische Chance hatten. Der Türkei einen Mangel an Demokratie vorzuwerfen, erscheint dann bigott.  

Dieser Beitrag wird empfohlen von Oliver Haupt.

Wer steckt dahinter?

Mustafa Esmer
Kommt aus:Esmer wurde als Sohn türkischer Eltern in Remscheid geboren.
Politische Position:Er ist Sozialwissenschaftler, freier Journalist und Bürgerrechtsaktivist.
Was Sie noch wissen sollten:Esmer schreibt u.a. für DER FREITAG und MIGAZIN. Er war Pressesprecher des umstrittenen Vereins Turan e.V. Der Bundesregierung zufolge orientiert sich der Verein ideologisch an der rassistisch-nationalistischen, rechtsextremistischen „Ülkücü“-Ideologie. Davon distanzierte sich Esmer allerdings öffentlich.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.