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Die Türkei ist de facto eine Diktatur
Die Türkei ist de facto eine Diktatur

Das Argument in Kürze:

Unser negatives Türkeibild sollte sogar noch negativer sein, findet der Politikwissenschaftler Yascha Mounk. Auf SLATE schreibt er, dass der türkische Präsident Erdoğan in den letzten Jahren das Land zu einer Diktatur gemacht habe – Politiker in Europa und den USA wollten das aber selten wahrhaben.

Die Türkei ist keine Demokratie mehr

Die Wahl in der Türkei am vergangenen Sonntag sei manipuliert und ein jämmerlicher Versuch Erdoğans, einen demokratischen Vorgang vorzutäuschen. Und das sei nur die Spitze des Eisbergs, schreibt Mounk. Schon seit dem Militärputsch 2016 habe Erdogan immer wieder die Demokratie mit Füßen getreten: Er habe Journalisten und politische Gegner weggesperrt, sich selbst durch das Referendum 2017 mit einer Generalvollmacht ausgestattet, das Staatsfernsehen sei ein einziges Propaganda-Programm und private Sender sowie Zeitungen seien ebenfalls in den Händen von Erdoğan-Anhängern. Diese Fakten zu ignorieren sei naiv und gefährlich.

„Eliten sowohl innerhalb als auch außerhalb der Türkei entschuldigten jede Attacke Erdoğans auf demokratische Institutionen und weigerten sich, Zusammenhänge herzustellen. Aber nach der ‚Wahl’ am vergangenen Sonntag kann man das Resultat nicht länger bezweifeln: Erdoğan hat eine jämmerliche Show einer Volksabstimmung inszeniert, um sich selbst nahezu mit einer Generalvollmacht auszustatten. Die Türkei ist nicht mehr eine liberale Demokratie, nicht mal eine illiberale. Genau wie Russland oder Venezuela ist sie eine Wahldiktatur.“

Warum wir den Beitrag empfehlen:

Mounk argumentiert nicht nur, dass die Türkei eine Diktatur ist, sondern schreibt auch, dass die Vorgänge dort eine eindeutige Warnung für andere Länder sein sollten, in denen demokratische Institutionen derzeit angegriffen werden. Denn der Fall Türkei zeige, dass autoritäre Populisten langfristig überraschend effektiv agieren können, politische und intellektuelle Eliten sie jedoch zu lange unterschätzten.

Dieser Beitrag wird empfohlen von Stephanie Berens.

Wer steckt dahinter?

Yascha Mounk
Kommt aus:ursprünglich München, lebt seit 2005 in den USA
Politische Position:Mounk ist mit 13 Jahren der SPD beigetreten, verließ sie 2015 jedoch wieder. In einem offenen Brief an Sigmar Gabriel kritisierte er die Flüchtlingspolitik in Deutschland, die passive Haltung der SPD während der Krimkrise sowie die Griechenlandpolitik der Partei.
Arbeitet für/als:Dozent für Politikwissenschaften an der Universität Harvard
Was Sie noch wissen sollten:Mounk ist 2005 für sein Studium in die USA ausgewandert. 2017 nahm er schließlich die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Mounk ist Senior Fellow beim überparteilichen Think Tank „New America“ und Autor des Buches „The People vs. Democracy: Why Our Freedom Is in Danger and How to Save It“. Außerdem schreibt er als freier Publizist unter anderem für SLATE, THE NEW YORK TIMES und ZEIT ONLINE.
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