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Das Frauen-Fahrverbot in Saudi Arabien wurde nur abgeschafft, weil das Königreich damit viel Geld verdienen kann
Das Frauen-Fahrverbot in Saudi Arabien wurde nur abgeschafft, weil das Königreich damit viel Geld verdienen kann
( Link zum Originalbild | Urheber: Daniela Cuevas | Unsplash | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

vergangenen Sonntag war es soweit: Frauen in Saudi-Arabien durften zum ersten Mal legal Auto fahren. Das Land war die letzte Nation der Welt, in der Frauen am Steuer nicht erlaubt waren. Argumente für das Fahrverbot kamen vor allem von Geistlichen, die behaupteten, Frauen würden durch das Fahren ihre Eierstöcke schädigen, ihre Jungfräulichkeit verlieren oder der Prostitution und Homosexualität verfallen. Außerdem seien Frauen eine Gefahr für den Straßenverkehr, weil sie nur halb so viel Intellekt wie Männer besäßen. Die befürchteten Massenkarambolagen sind bisher jedoch ausgeblieben.

In den deutschen Medien wurde das Ende des Fahrverbots sehr positiv aufgenommen. Dabei konzentrierten sich die meisten Kommentatoren auf dessen emanzipatorischen Effekt. In der WELT feiert die Journalistin Silke Mülherr die saudi-arabischen Frauen für die Errungenschaft: „Mit dieser kleinen Revolution haben sie es all jenen konservativen Klerikern gezeigt, die durch apokalyptische Warnungen versucht hatten, ihnen das Steuer weiter zu verwehren.“ Sie betont jedoch auch, dass die Fahrerlaubnis nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung sei – ein weiterhin bestehendes Problem sei das Vormundschaftssystem, das Frauen im Alltag massiv einschränke.

Auch TAZ-Meinungsredakteurin Silke Mertins findet: „Das ist nicht nur ein historischer Tag, sondern eine soziale Revolution.“ Allerdings betrachtet auch sie die Euphorie etwas kritisch, denn: „Es ist eine Revolution von oben. Die Frauenrechtlerinnen, die jahrelang für eine Aufhebung des Verbots gekämpft haben, wurden vorsichtshalber verhaftet oder auf andere Weise mundtot gemacht.“ Der Kronprinz Mohammed bin Salman wolle, dass ihm allein die Anerkennung für den Fortschritt zugeschrieben wird.

Der Journalist Mathias Brüggmann zeigt eine etwas andere Perspektive auf. Im HANDELSBLATT schreibt er, bin Salman interessiere sich gar nicht für Frauenrechte, sondern viel mehr für die Wirtschaft seines Landes. Die Aufhebung des Fahrverbots sollte vor allem einen wirtschaftlichen Effekt haben – 90 Milliarden Dollar mehr Wirtschaftsleistung, um genau zu sein. Diese kämen dadurch zustande, dass Frauen nun einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt hätten, keine teuren Chauffeure mehr bezahlen müssten und dadurch selbst mehr Autos kaufen würden.

„MbS, wie der Kronprinz von seinen zumeist jugendlichen Anhängern im Königreich genannt wird, will aber gar nicht in erster Linie Frauen mehr Rechte einräumen – sondern vor allem die Wirtschaft seines Landes fit machen für die Zeit nach der Dominanz des Erdöls.“

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Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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