Zurück zu allen Tagesempfehlungen
Pädophilie ist keine Entscheidung
Pädophilie ist keine Entscheidung

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

gestern wurde am Amtsgericht Freiburg ein Zugbegleiter wegen schweren sexuellen Missbrauchs von sechs Kindern und Jugendlichen zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Dem 48-jährigen Mann wurde sexueller Missbrauch in mehr als 220 Fällen zwischen Juni 2013 und Oktober 2017 vorgeworfen. Seine Opfer waren zwischen zwölf und 17 Jahren alt, er hat sie während seiner Arbeit als Schaffner angesprochen und anschließend in seiner Wohnung vergewaltigt. Wegen ähnlicher Straftaten war der Schaffner 2016 schon zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Wenn es um Kindesmissbrauch geht, erhitzen sich die Gemüter berechtigterweise schnell. Selten wird zwischen Pädophilen und Kinderschändern unterschieden. Dabei besteht zwischen beiden ein großer Unterschied: Ein Kinderschänder hat Kinder sexuell missbraucht und ist damit ein Straftäter. Ein Pädophiler fühlt sich lediglich von Kindern sexuell angezogen. Dabei muss es nicht zur Tat kommen. Denn: Maximal die Hälfte aller Kinderschänder sind tatsächlich pädophil. Der anderen Teil der Fälle von Kindesmissbrauch, meinen die Forscher, sind Ersatzhandlungen oder wird von Personen begangen, die ihre Impulse nicht kontrollieren können.

In einer aktuellen Reportage zeigt der Journalist Manuel Möglich vom Y-Kollektiv Pädophilie aus verschiedenen Perspektiven. Er spricht mit mehreren Betroffenen, die ganz unterschiedlich mit ihrer Neigung umgehen. Auch Therapeuten und Angehörige der Pädophilen kommen zu Wort. Bei allen wird deutlich: Pädophilie ist als sexuelle Neigung vergleichbar mit Hetero- oder Homosexualität. Keiner triff die Entscheidung dafür, pädophil zu sein. Und keiner muss sich dafür schämen, zeigt die Reportage. Entscheidend ist, was Betroffene aus ihrer Neigung machen. Der knapp 45-minütige Film zeigt auch: Nicht jeder Pädophile braucht eine Therapie. Ein Betroffener formuliert das so:

„Wer sich halt nicht benehmen kann und nicht vernünftig im Kopf ist, der wird auch, wenn er heterosexuell ist, irgendwie Mist bauen und Menschen Schaden zufügen.“

Hier entlang zum Originalartikel.

Wer weniger Zeit hat, findet auch hier einen ungewöhnlichen Artikel. Er zeigt die Perspektive eines Pädophilen, der selbst ein achtjähriges Kind hat – und sagt, wenn er mit seiner Tochter an der Hand in der Stadt unterwegs sei, könne es vorkommen, dass er eine Erektion bekomme.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Alisa Sonntag
Kommt aus:Ursprünglich aus dem Raum Chemnitz, aktuell in Leipzig.
Politische Position:Arbeitet bei THE BUZZARD, weil sie möglichst viele Menschen ermutigen möchte, die eigene Filterblase ab und an mal zu verlassen.
Arbeitet für/als:Studiert in Halle an der Saale "Multimedia und Autorschaft" und "International Area Studies" im Master. Arbeitet unter anderem für The Buzzard, die Mitteldeutsche Zeitung und die Freie Presse Chemnitz als freie Journalistin.
Was Sie noch wissen sollten:Hat ihr Bachelorstudium in Politik- und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.