Zurück zur Übersicht
Ein Bruch zwischen CDU und CSU muss nicht nur schlecht sein für das deutsche Parteiensystem
Ein Bruch zwischen CDU und CSU muss nicht nur schlecht sein für das deutsche Parteiensystem
(Foto: Harald Bischoff | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen, 

Deeskalation im Asylstreit zwischen CDU und CSU ist noch immer nicht in Sicht. Kurz vor dem gestrigen EU-Sondertreffen zur Flüchtlingspolitik in Brüssel verkündete Horst Seehofer, dass er sich durch die Richtlinienkompetenz von Kanzlerin Merkel nicht von seinen Plänen abbringen lassen wird. Die CSU möchte Asylbewerber an der deutschen Grenze abweisen, wenn diese bereits in einem anderen EU-Land registriert wurden. Falls Merkel bis Ende Juni keine europäische Lösung mit bilateralen Rücknahme-Vereinbarungen findet, möchte Seehofer die Abweisungen im Alleingang durchsetzen. Die Kanzlerin müsste ihn dann entlassen, was schließlich zum Bruch zwischen CDU und CSU führen könnte.

Seit Wochen äußern sich Journalisten und Politiker in Deutschland besorgt über den Streit. SPD-Chefin Andrea Nahles appellierte auf dem Landesparteitag der Sozialdemokraten an die Unionsparteien, „dass sie jetzt endlich zur Sache zurückfinden und dass sie die Regierungsarbeit mit uns gemeinsam wieder aufnehmen”. Auch die CDU-Politikerin Rita Süssmuth warnt vor der möglichen Trennung der beiden Unionsparteien: Dieser Streit müsse beigelegt werden, denn das gesamte Parteiensystem nehme Schaden. Journalist Richard Meng betont dazu in der FRANKFURTER RUNDSCHAU, dass die Strategie der CSU unklug sei, da sie mehr zu verlieren habe als die CDU. „Vor lauter Geltungsdrang übersehen sie, dass der Anlass zu klein ist für eine glaubwürdige Drohung mit dem Bruch”.

Ellen Hasenkamp, Chefkorrespondentin bei der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft, sieht die aktuelle Situation aus einer anderen Perspektive. Ein Auseinanderbrechen der Union wäre zwar ein Bruch von historischen Ausmaßen und mit völlig unkalkulierbaren Folgen. Doch auch das Zusammenbleiben der Parteien habe seinen Preis. Denn die Christdemokraten gewähren der CSU, im Prinzip nichts anderes als eine erfolgreiche Regionalpartei, mehr Mitsprache und Ministerposten als ihr eigentlich zustehen.

„Ein solcher Bruch zwischen CDU und CSU könnte paradoxerweise aber auch etwas kitten: Nämlich den vollkommen unorganischen Sonderzustand, den die Union seit Jahrzehnten für sich reklamiert.

 

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Olga Osintseva
Kommt aus:Russland
Politische Position:Bezeichnet sich selbst als mitte-links
Arbeitet für/als:Arbeitet als Redakteurin bei The Buzzard und als Event- und Community-Managerin beim Strascheg Center For Enterpreneurship in München
Was Sie noch wissen sollten:Osintseva hat 2015 ihren Master in Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg abgeschlossen. Sie kommt aus Russland und lebt mittlerweile seit vier Jahren in Deutschland.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.