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Weder Zugeständnisse noch Sanktionen werden Nordkorea überzeugen
Weder Zugeständnisse noch Sanktionen werden Nordkorea überzeugen

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

das Medienecho zum Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un fiel größtenteils kritisch aus. Häufig wurde moniert, Trump habe Zugeständnisse gemacht, ohne dafür klare Zusagen der Gegenseite zu erhalten. Wir fragen dazu in unserer aktuellen Debatte: „Meint Nordkorea die Entspannung ernst?“

Was lässt sich dabei aus früheren Vereinbarungen mit dem kommunistischen Regime lernen? Hierzu empfehlen wir heute einen Beitrag des BULLETIN OF THE ATOMIC SCIENTISTS. Dieses unabhängige Non-profit-Projekt wurde 1945 von Wissenschaftlern des amerikanischen „Manhattan Projects“ (das die Atombombe entwickelt hatte) ins Leben gerufen. Der Physiker Christopher Lawrence, Fellow der Kennedy School of Government in Harvard, argumentiert in dem Beitrag, es gehe Nordkorea gar nicht um Zugeständnisse bei Sanktionen oder um Sicherheitsgarantien: „If the regime ever agrees to give up nuclear weapons, it will not be for fleeting rewards or written security guarantees, but for a long-term, completely different political relationship with the United States going forward.“

Das sei die Lehre aus dem 1994 ausgehandelten „Agreed Framework“-Deal. Darin ging es ebenfalls um nukleare Abrüstung und eine Aufhebung von Sanktionen. Lawrence – dessen Sichtweise auf die kommunistische Erbdiktatur stellenweise etwas naiv erscheint – sieht die Verantwortung für das Scheitern dieser Vereinbarung bei den USA: Sie hätten gegenüber Nordkorea nicht genug ernsthaftes Interesse an einer Verbesserung des bilateralen Verhältnisses gezeigt. Vor diesem historischen Erfahrungshintergrund erläutert er, es dürfe nicht um Verhandlungen über kurz- und mittelfristiger Maßnahmen gehen, egal ob belohnender oder strafender Art. Entscheidend seien vielmehr Schritte hin zu einer langfristig angelegten Veränderung der Beziehungen und zu gemeinsamen Interessen – zum Beispiel durch gemeinsame Investitionen in Energie- oder Infrastrukturprojekte.

The goal of a nonproliferation diplomacy should not be to snuff out all forms of nuclear hedging in North Korea, but to build a new political reality that renders them irrelevant.

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. Nordkoreas Intentionen widmet sich auch unsere aktuelle Wochendebatte.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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