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Kim meint die Entspannungspolitik ernst, weil er weiß, dass das Regime sonst nicht überlebt
Kim meint die Entspannungspolitik ernst, weil er weiß, dass das Regime sonst nicht überlebt

Das Argument in Kürze:

Kim Jong-un weiß genau, dass er keine Wahl hat. Setzt der nordkoreanische Diktator nur auf militärische Stärke, wird er seine Macht nicht halten können, schreibt Christoph Neidhart in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Deshalb habe er sich entschieden, sein Land zu öffnen: Sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Auch wenn die Öffnung bisher nur zaghaft vorangeht. Die Liberalisierung von Nordkorea wird kommen, meint Neidhart.

Kim braucht die Unterstützung von jungen Nordkoreanern, um an der Macht zu bleiben

Kim sei besonders auf die jungen Nordkoreaner angewiesen. Die unter 35-Jährigen machen einen immer größeren Teil der Bevölkerung seines Landes aus. Und momentan leben sie in zwei Welten: In der einen, der offiziellen, funktionieren die jungen Nordkoreaner, sie fallen nicht auf. In der anderen hören sie südkoreanische Popmusik und schauen ausländische Filme. Ihre Loyalität zum Regime sei gering, schreibt Neidhart. „Die Propaganda, welche die Bevölkerung mit Bedrohungsszenarien zu mobilisieren sucht, erreicht sie nicht mehr.” Kim wisse das, er kenne diese zweite Welt. Will Kim vermeiden, dass diese Leute aufbegehren, muss er ihnen etwas bieten.

Die reine Militärpolitik hat ausgedient

Die politische Strategie seines Vorgängers und Vaters, Kim Jong-il, habe der Jüngere deshalb schon länger aufgegeben, schreibt Neidhart. Kim Jong-il hatte vor allem auf militärische Stärke gesetzt. Sein Sohn erklärte die Aufrüstung für beendet, verlagerte die Macht im Staat auf den „zivilen Parteiapparat”, begann politische Prozesse transparenter zu machen und stabilisierte die Landeswährung. Nur wenn der Lebensstandard stetig steige, ziehe die junge Generation mit, das wisse Kim. 

Neidhart zitiert den Wissenschaftler Atsuhito Isozaki:

„Anders als der Vater handle der Sohn schnell und räume auch Fehler ein. Er habe erkannt, dass es angesichts der US-Drohungen gefährlicher sei, am Atomprogramm festzuhalten, als es aufzugeben. Zur Abschreckung, also zur Sicherung seines Regimes vor Angriffen von außen, genügten konventionelle Waffen. Wichtiger für Kim ist es ohnehin, seine Macht nach innen zu legitimieren, um sie zu sichern.”

Warum wir diesen Artikel empfehlen:

Christoph Neidhart gibt in seinem Text interessante Alltagsbeispiele und damit Einblicke in eine abgeschottete Gesellschaft, in der Jeans und gefärbte Haare verboten sind, aber immer öfter junge Menschen gegen solche Verbote aufbegehren und dafür nicht mehr belangt werden. Neidharts Fokus liegt klar auf der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung der nordkoreanischen Halbinsel.

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Clara Lipkowski.

Wer steckt dahinter?

Christoph Neidhart
Kommt aus:Basel, lebt und arbeitet in Tokio
Arbeitet für/als:Freier Journalist, Korrespondent der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG und des schweizer TAGES-ANZEIGERS für Japan, Süd- und Nordkorea.
Was Sie noch wissen sollten:Davor war Neidhart knapp acht Jahre Korrespondent in Moskau. Er ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher, darunter Sachliteratur und Belletristik. Er schrieb zum Beispiel "Museum des Lichts, Petersburger Lieben". Außerdem publiziert er Essays, Reiseberichte und Rezensionen.
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