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Nazis überall?! – Weshalb es unsere Diskussionskultur zerstört, andere als „Nazi“ zu beschimpfen
Nazis überall?! – Weshalb es unsere Diskussionskultur zerstört, andere als „Nazi“ zu beschimpfen

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

heutzutage wird man zu schnell als „Nazi“ verunglimpft. Das zumindest moniert die Schriftstellerin Sabine Bergk in ihrem Beitrag für CICERO. Die Beleidigung werde im Alltag oft vorschnell verwendet, um Gesprächspartner zu diffamieren, die „eine andere Ansicht haben, etwas schärfer denken oder es wagen, die Zahlentabellen des Bamf zu lesen“, schreibt Bergk. Häufig sei die Beleidigung allerdings nicht nur unangebracht, sondern vor allem irrational und unbegründet. Dadurch werde aber kritisches Denken auf gefährliche Weise eingedämmt. Denn aus Angst, als „Nazi“ beschimpft zu werden, wage man es schließlich nicht mehr, überhaupt zu denken. Bergk fordert stattdessen ein differenzierteres Gesprächsklima. Ansonsten werde die „betonte Vielfalt der Linken […] zur Vielfalt der Gleichdenkenden.“ – Diversität? Fehlanzeige.

Der Autorin geht es nicht darum, rechte Ideen und Äußerungen zu relativieren oder gar zu rechtfertigen. Vielmehr ist ihr an einer vielschichtigen Diskussionskultur gelegen, in der keine Ansicht per se außen vor bleibt und Meinungsverschiedenheiten verbal ausgetragen werden können. Beispielsweise inszenierte sich die AfD in der Vergangenheit wiederholt als Opfer von vermeintlich haltlosen Nazibeschimpfungen. Sie sieht sich dadurch in die rechte Ecke gedrängt und vom politischen Diskurs ausgeschlossen. Das ist gefährlich. Denn die Opferrolle kommt der AfD zugute.
Besorgniserregend ist, dass die eigentliche Thematik – nämlich Rechtsextremismus – im Kern unberührt bleibt. Inmitten der vorgeblich als nationalsozialistisch deklarierten Aussagen gehen solche unter, die es tatsächlich sind – fremdenfeindlich, antisemitisch, rassistisch. Auf längere Sicht geht dadurch die Sensibilität verloren, mit der man eigentlich diesem alltäglich gewordenen Problem begegnen müsste.

„In einer permanent kochenden Atmosphäre geht uns jedoch jegliche Komplexität und Gedankenschärfe verloren. Rationale Abkühlung ist nicht in Aussicht, gegenseitiges Zuhören scheint auch nicht en vogue zu sein.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Thema eine alternative Sichtweise bietet. Zudem finden Sie in unserem Archiv zahlreiche Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Oliver Haupt
Kommt aus:Gebürtig aus Freiberg, lebt seit mehreren Jahren in Leipzig.
Politische Position:Mitte-links
Arbeitet für/als:Studiert Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Ist seit Oktober 2017 Redakteur bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Seine (wissenschaftlichen) Interessen liegen vor allem in der Politischen Philosophie, Ideengeschichte und Politischen Ökonomie. Insbesondere befasst er sich mit klassischer, als auch aktueller Kapitalismus- sowie Demokratiekritik und damit zusammenhängenden Disziplinen.
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