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Die EU ist selbst schuld daran, dass Trump sich so rücksichtslos verhält
Die EU ist selbst schuld daran, dass Trump sich so rücksichtslos verhält

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

erst reist Donald Trump früher vom G7-Gipfel ab, dann zieht er spontan seine Zustimmung zur Abschlusserklärung via Twitter zurück und beleidigt obendrein den kanadischen Premierminister Justin Trudeau als unehrenhaft und schwach. Angela Merkel bezeichnete Trumps Aufkündigung des Kommuniqués als ernüchternd und deprimierend. Der französische Präsident Emmanuel Macron betonte, dass Diplomatie nicht von Wutanfällen beeinflusst werden könne. Sowohl Deutschland als auch Kanada verkündeten, sich von den USA nicht „über den Tisch ziehen zu lassen“.

Auch in den Medien wird Trump für den Umgang mit seinen G7-Partnern heftig kritisiert. Der FOCUS nennt Trumps spontanen Rückzieher „verlogen“ und schreibt: „Es ist ein beispielloser Eklat, den es in der 40-jährigen Geschichte des G7-Forums noch nicht gegeben hat. Nie düpierte ein Teilnehmer der Runde seine Partner so dermaßen wie Trump es nun tut.“ Die FAZ betitelt Trump als „Abrissbirne“ und rät, dass Berater dem Präsidenten die Folgen seines Handelns dringend erklären sollten. „Dass der Präsident der Vormacht des Westens wie eine Furie wirkt, voller Verachtung für Partner, besonders für die, die nicht gleich kuschen, das ist eine harte Erfahrung“, resümiert der Autor.

Trump für sein Verhalten zu kritisieren und ihm Unvernunft oder Unwissen zu attestieren ist nicht neu. Wir empfehlen heute einen Beitrag, der die Schuld für das G7-Eklat nicht bei Trump alleine sieht, sondern auch die Europäische Union selbst dafür verantwortlich macht. Der Politikwissenschaftler Thomas Jäger schreibt für CICERO ONLINE, dass Trump nur deshalb so rücksichtslos mit den europäischen Staaten umgehen kann, weil sie von den USA abhängig sind. Die EU habe in den letzten Jahrzehnten versäumt, den Euro zur eigenständigen Währung neben dem Dollar zu machen und mehr in die eigenen Mittel zur Verteidigung zu investieren. Ein weiteres Problem sei, dass die europäischen Staaten keine einheitliche Strategie hätten, wie sie mit dem US-Präsidenten umgehen. Das zeige, „dass sie über keine Fähigkeiten verfügen, sich von den USA zu lösen. Weder diplomatisch noch ökonomisch noch militärisch.“ Somit sitze Trump am „längeren Hebel“ – und werde regelrecht dazu provoziert, die EU in die Ecke zu drängen.

„Dieses maßgebende Versagen, die eigene Lebensfähigkeit international nicht absichern zu können, erlaubt es Trump gegenüber den engen Verbündeten überhaupt erst so aufzutreten, wie er es tut. Man denke sich einmal folgendes: Die EU würde über ausreichend Mittel verfügen, sich zu verteidigen und den Mittelmeerraum zu stabilisieren. Die EU wäre dann in der Lage, den Euro als vertrauensstarke Währung zur Verfügung zu stellen. Die Verhandlungslage würde sich für den amerikanischen Präsidenten fundamental anders darstellen.“

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Nordamerikastudien an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.

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