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Der Ausdruck „kostenloser Nahverkehr“ ist ideologisch verfälscht.
Der Ausdruck „kostenloser Nahverkehr“ ist ideologisch verfälscht.

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

der Augsburger Vorstoß zu einem kostenfreien Nahverkehr hat eine alte Debatte neu befeuert. Einige Kommentatoren bestreiten, dass die gewünschten Auswirkungen – etwa die stärkere Nutzung des ÖPNV und somit eine Verringerung der Umweltbelastungen durch den PWK-Verkehr – tatsächlich eintreten würden. Andere hinterfragen die praktische Umsetzbarkeit: Kann ein kostenloser Nahverkehr überhaupt funktionieren, ohne Löcher in die öffentlichen Haushalte zu reißen?

Aber: Wird hier eigentlich über die richtigen (und mit den richtigen) Begriffe diskutiert? Schon die Frage sei falsch formuliert, argumentiert der Autor des Beitrags, den wir als heutigen Perspektivwechsel empfehlen.

Der NEUES DEUTSCHLAND-Redakteur Jürgen Amendt sieht nämlich das häufig bemühte Wort „kostenlos“ als sprachliches Ärgernis: „Dass man für etwas nicht bezahlen muss, bedeutet ja nicht, dass es keine Kosten bei der Herstellung bzw. bei der Bereitstellung verursacht hätte.“ In diesem Sinne sei die Rede vom kostenlosen Nahverkehr irreführend; es könne allenfalls „einen fahrscheinlosen Nahverkehr“ geben. Hierbei wären die zwangsläufig anfallenden Kosten – für die Infrastuktur, die Instandhaltung der Fahrzeuge, das Personal usw. – anderweitig als über Ticketpreise zu finanzieren, also beispielsweise über das Steuergeld der Bürger. Genau hierin, so die These von Amendt, liege der Ursprung der falschen Begrifflichkeit: die Aufspaltung des Lohns in Brutto- und Nettogehalt, wobei vielen der Nettobetrag „als eigentlicher Arbeitslohn“ erscheine. Jürgen Amendt sieht nicht weniger als eine (vermutlich neoliberale?) Ideologie am Werk, die die tatsächlichen Verhältnisse verschleiere:

„Dieser Irrtum verleitet leicht dazu, den angeblich kostenfreien (in Wirklichkeit aber fahrscheinlosen Nahverkehr) abzulehnen, denn intuitiv weiß der gespaltene Verstand, dass es etwas Kostenfreies nicht geben kann.“

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. Die aktuelle Wochendebatte widmet sich dabei der Frage „Sollte der Nahverkehr kostenlos werden?“.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.

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