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Plastik geht auch anders
Plastik geht auch anders

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

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Strohhalme aus Plastik im Cocktail, Plastikbecher und –besteck beim Picknick im Grünen – das soll bald der Vergangenheit angehören. Letzte Woche stellte die europäische Kommission den Plan vor, Einwegkunststoffprodukte zu verbieten, wenn sie durch erschwingliche Alternativen ersetzt werden können. Damit diese Pläne auch in Kraft treten, müssen erst eine Mehrheit der Mitgliedstaaten sowie das Europaparlament zustimmen. Doch eine heftige Debatte hat die EU mit ihrer Ankündigung schon jetzt ausgelöst.

So spottet die ZEIT, dass Plastikstrohhalme das geringste Problem seien: „Sollten wir nicht alle mal kurz in schallendes Gelächter ausbrechen – und uns den echten Umweltproblemen zuwenden: dem rasanten Tempo der Klimaerwärmung und den wahrscheinlich ziemlich üblen Folgen für viele Menschen, dem Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, der ständigen Versiegelung der Erde. Und ja, natürlich auch den wirklich großen Plastikmengen.“ Die FAZ hält den Ansatz der Europäischen Union ebenfalls für wenig sinnvoll, da Europa gar nicht das Problem sei: „Solange die Hauptverursacher der verheerenden Müllstrudel in Asien sitzen, ist mit Brüsseler Aktionismus nichts zu gewinnen.“

Auch der Chemiker Michael Braungart kritisiert in einem Radiobeitrag für DEUTSCHLANDFUNK, dass der Plan der EU „nicht mal ein Promille der Plastikanwendungen“ betrifft. Anders als die meisten Kommentatoren hat er jedoch konkrete Vorschläge, wie man es besser machen kann. Das Problem seien nämlich nicht die Plastikstrohhalme an sich, sondern dass sie nicht kompostierbar sind. Biologisch abbaubare Produkte aus Kunststoff seien gar nicht schwierig herzustellen: „Meine Wissenschaftler hier können Plastik machen, wo ich einstellen kann, in einer Minute […] löst sich das auf. Oder in drei Stunden oder in zwei Jahren, je nachdem, wie ich es haben möchte.“ Doch warum werden solche Stoffe nicht schon längst verwendet? Braungart klagt, dass Politiker kompostierbare Kunststoffe noch immer als reinen Kostenfaktor sehen, nicht aber als Innovationschance. Deutschland müsse Umweltprobleme endlich nicht mehr als Luxusproblem begreifen und stattdessen sinnvolle Lösungsansätze schaffen, die auch eine größere Wirkung zeigen.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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