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Wir brauchen eine flexible(re) Arbeitskultur
Wir brauchen eine flexible(re) Arbeitskultur

Das Argument in Kürze:

Wirtschaft und Arbeitswelt befinden sich seit einigen Jahren in einem rasanten Wandel. Die Digitalisierung hat nicht nur unseren Alltag tiefgreifend verändert, sondern auch unsere Art zu arbeiten. Automatisierung, Big Data und künstliche Intelligenz heißen die Triebkräfte dieser Entwicklung. Allerdings passt unsere derzeitige Arbeitskultur mit ihren strengen rechtlichen Regelungen nicht mehr zu diesen veränderten Umständen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert deshalb ein Umdenken bzw. eine Modernisierung. Arbeitsverhältnisse müssen flexibler gestaltet werden – vor allem, was die Arbeitszeit angeht.

Die Tagesarbeitszeit hat ausgedient

Momentan legt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) fest, dass die tägliche Arbeitszeit von Beschäftigten acht Stunden nicht überschreiten darf. Die Höchstarbeitszeit von 40 Stunden pro Woche berechnet sich also auf täglicher Basis. Zudem sieht das ArbZG vor, dass jedem Beschäftigten zwischen zwei Arbeitstagen eine Mindestruhezeit von elf zusammenhängenden Stunden gewährt werden muss. Diese Regelung kann durch Tarifverträge modifiziert werden, wenn die branchenspezifische Art der Arbeit es erfordert. Dies ist beispielsweise bei Rettungs- oder Stördiensten der Fall. Der BDA zufolge sind die gesetzlichen Schranken zu eng, um den Herausforderungen der digitalisierten Wirtschaft gerecht zu werden. So müssten zum Beispiel global tätige Unternehmen aufgrund der unterschiedlichen Zeitzonen hin und wieder auch Konferenzen später am Abend abhalten können. Oder in Hochphasen eines Projektes müsse es möglich sein, dass Beschäftigte mehr als acht Stunden täglich arbeiten und dafür anderntags als Ausgleich früher Feierabend machen können.

Eine Win-win-Situation für beide – Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Für Unternehmen biete die Umgestaltung der Arbeitskultur vor allem Rechtssicherheit. Denn sie können den Beschäftigten mehr zeitliche Flexibilität gewähren, ohne Gefahr zu laufen, gegen Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes zu verstoßen. Zudem könne die Innovationsfähigkeit gesteigert und betriebliche Abläufe maßgeblich vereinfacht werden. Doch schließlich profitieren auch die Arbeitnehmer davon, erklärt die BDA. Das Stichwort hieße „lebensphasenorientiertes Arbeiten“. Beruf und Privatleben ließen sich so leichter miteinander in Einklang bringen. Die Arbeitgeber könnten besser auf private Bedürfnisse der Beschäftigten eingehen. Zum Beispiel, wenn sich Arbeitnehmer außerberuflich weiterbilden, wenn sie ihre Kinder oder pflegebedürftige Familienangehörige betreuen oder wenn sie ihre Arbeitszeit im Alter reduzieren möchten oder müssen.

„Flexibilität ist für Arbeitgeber und Beschäftigte gewinnbringend, wenn Freiräume verantwortlich und mit Rücksicht auf unterschiedliche Anliegen genutzt werden. […] Durch Leitplanken in gesetzlichen Regelungen können beide Seiten dabei unterstützt werden. Die gesetzlichen Grundlagen dürfen nicht weiter zementiert und ausgeweitet, sondern müssen modernisiert und geöffnet werden. Die Höhe und das Volumen der Arbeitszeit sollten durch die Tarifvertragsparteien stärker und konsequenter als bisher auf die betriebliche oder individualvertragliche Ebene verlagert werden.“

Warum wir den Beitrag empfehlen: 

Das Plädoyer der BDA für eine flexiblere Gestaltung des Arbeitstags erläutert schrittweise und ausführlich die einzelnen Forderungen. Nachvollziehbar sind sie dadurch allemal. Besonders anschaulich wird die Argumentation außerdem mithilfe von Beispielen aus dem Arbeitsalltag, in die man sich leicht hineinversetzen kann. Interessant ist vor allem, dass in diesem Beitrag die Arbeitgeber zu Wort kommen, deren Forderungen sich nicht vollständig mit den Ansprüchen der Arbeitnehmer decken. Gleichwohl klingen die Vorschläge der Arbeitgeber durchaus erwägenswert, wenn nicht sogar erstrebenswert – auch für Arbeitnehmer. Denn die Möglichkeit, den Arbeitstag flexibler gestalten zu können, kann den Alltag bedeutend erleichtern.

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Oliver Haupt

Wer steckt dahinter?

Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
Kommt aus:Berlin, Deutschland
Arbeitet für/als:Die BDA organisiert als Spitzenverband die sozial- und wirtschaftspolitischen Interessen der gesamten deutschen Wirtschaft.
Was Sie noch wissen sollten:Als Dachorganisation nimmt sie die Interessen aller Arbeitgeberverbände aus den Bereichen Industrie, Dienstleistungen, Handwerk und Landwirtschaft wahr. Sie ist also branchenübergreifend tätig. Insgesamt sind circa eine Million Unternehmen mittelbar Mitglied der BDA. Diese beschäftigen rund 70 Prozent aller Arbeitnehmer.
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