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Kürzere Arbeitszeiten sind gut für die ganze Gesellschaft
Kürzere Arbeitszeiten sind gut für die ganze Gesellschaft

Das Argument in Kürze:

Hat die 40-Stunden-Woche ausgedient? Hätte es Vorteile für uns, wenn wir weniger arbeiten, zum Beispiel nur 28 Stunden pro Woche? Der Wirtschaftswissenschaftler Heinz-Josef Bontrup schreibt, dass kürzere Arbeitszeiten sehr gut wären – und zwar für die ganze Gesellschaft. Die Arbeitslosigkeit würde sinken und wir hätten mehr Zeit für politisches Engagement.

Weniger Arbeitslosigkeit, mehr Zeit für Ehrenamt

Bontrup argumentiert in seinem Beitrag für die HEINRICH BÖLL STIFTUNG, dass kürzere Arbeitszeiten die Arbeitslosigkeit in Deutschland verringern würden. Er schreibt, dass man die Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich verkürzen könnte, wenn die Produktivität um zwei Prozent ansteigt. Dadurch könnte man den Lohn um zwei Prozent anheben und die Arbeitszeit dafür um zwei Prozent verringern. Die beste Konsequenz daraus: „Arbeitslose und Unterbeschäftigte hätten wieder Arbeit, und zwar zu den selben Bedingungen wie die bereits Beschäftigten.“ Bontrup betont, dass eine Senkung der Arbeitslosigkeit gut für alle wäre, denn sie koste den Staat 50 bis 70 Milliarden Euro im Jahr.

Außerdem könnten die Menschen sich, wenn sie weniger arbeiten müssen, mehr engagieren – ob in der Politik oder im Ehrenamt. Davon würde die ganze Gesellschaft profitieren. Auch die Hausarbeit, Kindererziehung und Pflegearbeit könnten bei mehr Freizeit gerechter unter Männern und Frauen aufgeteilt werden. Bontrup schließt daraus, dass Arbeitszeitverkürzung „Wohlfahrt und Zufriedenheit für alle bringt“.

Warum wir den Beitrag empfehlen:

In der Debatte um kürzere Arbeitszeiten wird der Fokus oft auf das Individuum und die Vorteile, die es daraus zieht, gelegt. Bontrup richtet die Aufmerksamkeit jedoch auf die ganze Gesellschaft und argumentiert, dass Arbeitszeitverkürzung Probleme lösen könnte, die uns alle etwas angehen.

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Stephanie Berens

Wer steckt dahinter?

Heinz-Josef Bontrup
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Bontrup ist Herausgeber der Memoranden der „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik“. Der Verein schreibt, dass sich seine Ziele an „der Sicherung sinnvoller Arbeitsplätze, der Verbesserung des Lebensstandards, dem Ausbau des Systems der sozialen Sicherheit für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie wirksamer Umweltsicherung in Deutschland“ orientieren.
Arbeitet für/als:Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen und Lehrbeauftragter an der Universität Friedrichshafen
Was Sie noch wissen sollten:Bontrup ist Sachverständiger im Deutschen Bundestag und mehreren Landtagen. Er schreibt wirtschaftspolitische Kolumnen für die FRANKFURTER RUNDSCHAU. Im März 2018 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande für „seine umfangreich ehrenamtliche und bundesweite Aufklärungsarbeit in sozialpolitischen und wirtschaftlichen Fragen“ verliehen.
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