Zurück zur Debattenübersicht
Wie viel oder eher wie „wenig“ die Deutschen tatsächlich arbeiten: Die Fakten im Überblick
Wie viel oder eher wie "wenig" die Deutschen tatsächlich arbeiten: Die Fakten im Überblick

Wie hat sich die Arbeitszeit in Deutschland historisch entwickelt?

Im langfristigen Trend sind die Arbeitsstunden je Erwerbstätigen in Deutschland seit der Industriellen Revolution stets gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen (inklusive Teilzeitbeschäftigung) von 1966 Stunden im Jahr 1970 auf 1354 Stunden im Jahr 2017.

Dies liegt unter anderem daran, dass die Wochenarbeitszeit langfristig betrachtet deutlich zurückgegangen ist. Dies ist insbesondere das Verdienst der Arbeiter und Gewerkschaften ab dem späten 19. Jahrhundert. Die durchschnittlichen Arbeitszeiten entwickelten sich in Deutschland wie folgt:

 

Jahr

 

Wochenarbeitszeit

1825 82 Stunden
1875 72 Stunden
1900 60 Stunden (in 6 Tagen)
1913 57 Stunden
1918 8-Stunden-Tag
1932 42 Stunden
1941 50 Stunden
1950 48 Stunden
1956 Übergang zur 5-Tage-Woche
1965 40 Stunden
1984 38,5 Stunden
1995 35 Stunden (Druck-, Metall- und Elektroindustrie)

 

Mittlerweile ist die maximale Länge der täglichen Arbeitszeit in Deutschland gesetzlich eindeutig geregelt. So wird im Arbeitszeitgesetz die durchschnittliche Arbeitszeit einschließlich Arbeitsbereitschaft auf 8 Stunden begrenzt, wobei auch die Samstage als Arbeits- bzw. Werktage zählen. Unter bestimmten Umständen können Arbeitszeiten allerdings auf 10 Stunden täglich erhöht werden.

Ausgenommen von diesen Arbeitszeitbegrenzungen sind unter anderem leitende Angestellte, Chefärzte und Dienststellen- und Personalleiter im öffentlichen Dienst, die auch länger arbeiten dürfen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiteten Vollzeiterwerbstätige im Jahr 2016 in der Woche durchschnittlich 41 Stunden.

 

Wie viel arbeiten die Menschen in Deutschland aktuell tatsächlich pro Wochen?

Die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden von Arbeitnehmern, Selbstständigen und mithelfenden Angehörigen werden unter dem Begriff „Arbeitsvolumen“ erfasst, wobei nicht geleistete Arbeitsstunden, wie Jahresurlaub, Elternzeit, Feiertage, Kurzarbeit oder krankheitsbedingte Abwesenheit sowie Pausen und Zeiten für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsplatz nicht miteingerechnet werden. Dieses Arbeitsvolumen, das natürlich konjunkturellen Schwankungen unterliegt, sank von 60.2 Milliarden Stunden im Jahr 1991 auf 55.5 Milliarden Stunden im Jahr 2005, stieg bis zum Jahr 2017 dann allerdings wieder – unter anderem aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung in Deutschland – auf 59.9 Milliarden Stunden. Damit liegt der Wert weiterhin unter dem von 1991.

Dieser – im langfristigen Trend – leichte Rückgang des Arbeitsvolu­mens liegt unter anderem am Rückgang der Jahresarbeitszeit der Erwerbstätigen. Da die Zahl der Erwerbstätigen im Vergleich der Jahre 1991 und 2017 jedoch gleichzeitig von 38,8 Mio. auf 44,3 Mio. angestiegen ist, verteilt sich die leicht sinkende Menge an Arbeit, also das Arbeitsvolumen, mittlerweile auf viel mehr Schultern, weshalb alle deutlich weniger arbeiten. Dies zeigt sich dann zum Beispiel an der hohen Zahl an Teilzeitbeschäftigten.

 

Wie viel arbeiten die Deutschen aktuell im internationalen Vergleich?

Im internationalen Maßstab arbeiten die Deutschen deutlich weniger als Menschen anderer Staaten, wie eine OECD-Studie aus dem Jahre 2017 offenbart.

Tabelle (auszugsweise): Durchschnittliche Arbeitsstunden aller Beschäftigten pro Staat

Land Arbeitsstunden Land Arbeitsstunden
Mexico 2 255.00 Hungary 1 761.00
Costa Rica 2 212.00 New Zealand 1 752.00
Greece 2 035.00 Slovak Republic 1 740.00
Israel 1 889.00 United Kingdom 1 676.00
Lithuania 1 885.00 Australia 1 669.00
Iceland 1 883.00 Finland 1 653.00
Ireland 1 879.00 Sweden 1 621.00
Estonia 1 855.00 Austria 1 601.00
Portugal 1 842.00 Switzerland 1 590.00
Turkey 1 832.00 Belgium 1 551.00
United States 1 783.00 Luxembourg 1 512.00
Czech Republic 1 770.00 France 1 472.00
OECD – Total 1 763.00 Netherlands 1 430.00
Norway 1 424.00 Germany 1 363.00

Deutschland hat demnach von allen OECD-Staaten die geringste Zahl an durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden aufzuweisen, während Mexikaner im Vergleich unter den OECD-Ländern am längsten arbeiten. Ferner wird deutlich, dass das Bild des „faulen Griechen“ nichts mit der Realität zu tun hat. Innerhalb der EU arbeiten Griechen am längsten. 

Wie viel oder eher wie "wenig" die Deutschen tatsächlich arbeiten: Die Fakten im Überblick

Arbeit und/oder Freizeit? (Quelle: Unsplash.)

 

Was sagen Mediziner und Psychologen zur idealen Arbeitszeit?

Wer zu lange arbeitet, schadet seiner Gesundheit. Diese Feststellung entspricht dem derzeitigen Forschungsstand und wird durch aktuelle Erkenntnisse gestützt. So ist laut Arbeitszeitreport 2016 der Anteil derjenigen Arbeitnehmer, die ihre Gesundheit (sehr) schlecht einschätzen, bei denen am höchsten, die 60 Stunden und mehr in der Woche arbeiten.

Da Arbeitszeiten in den beiden letzten Jahrzehnten jedoch auch heterogener und flexibler geworden sind, lässt sich anhand der tatsächlichen Arbeitszeiten dennoch keine ideale Arbeitszeit festmachen. Zu oft verschwimmen Freizeit und Arbeit, und insbesondere Teilzeitbeschäftigte leiden häufig darunter, nach der Arbeit noch verfügbar sein zu müssen.

Arbeitszeiten sind tatsächlich immer schwerer messbar. Zunehmend wichtiger ist für Wissenschaftler deshalb die Frage, wie die Arbeitszeit verteilt ist, wie intensiv und anstrengend die Arbeit ist, wie die Atmosphäre im Job ist, ob am Wochenende oder im Schicht- und Nachtdienst gearbeitet wird und wie die sogenannte Work-Life-Balance aussieht.

Wer steckt dahinter?

Cem Dursun
Kommt aus:geb. in Berlin, wohnhaft in Leipzig
Politische Position:Mitte-Links
Arbeitet für/als:Recruiter
Was Sie noch wissen sollten:M.A. Politikwissenschaften, B.A. Soziologie
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.