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Kostenloser Nahverkehr würde die städtische Lebensqualität enorm verbessern
Kostenloser Nahverkehr würde die städtische Lebensqualität enorm verbessern

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Augsburg wird ab 2019 die erste deutsche Großstadt mit einem kostenlosen Nahverkehr. Das wurde letzten Donnerstag im Stadtrat beschlossen. Rund um den Königsplatz, dem zentralen Knotenpunkt der Innenstadt, soll eine Zone von acht Haltestellen entstehen, innerhalb der die Nutzung von Bus und Tram kostenlos ist. Die Stadt hofft darauf, dass Autofahrer künftig Parkhäuser am Rand dieser Zone benutzen und mit den Öffentlichen ins Zentrum fahren. Weniger Verkehr in der Innenstadt würde die Luftbelastung deutlich reduzieren, heißt es aus dem Stadtrat. 500.000 Euro wird das Projekt vermutlich kosten – die Stadt hofft, dass Fördermittel vom Bund das ausgleichen werden.

Die Idee eines kostenlosen Nahverkehrs ist nicht überall beliebt. Vor allem die hohen Kosten seien ein Problem: Die WELT schreibt, dass die Bundesregierung unmöglich für die verlorenen Summen aufkommen kann – so wie es sich zum Beispiel Augsburg erhofft. Wenn eine Stadt Fördermittel bekäme, würden andere zu Recht dasselbe verlangen: „Das würde eine milliardenteure Spirale in Gang setzen.“ Zudem müsse man in mehr Fahrzeuge und zusätzliches Personal investieren. Der TAGESSPIEGEL lenkte schon 2013 den Blick auf Städte weltweit, in denen kostenloser Nahverkehr nach oft vielen Jahren gescheitert ist – weil die Kosten langfristig nicht gestemmt werden konnten.

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller in der SÜDDEUTSCHEN Zeitung vermittelt eine etwas andere Sichtweise. Bauchmüller schreibt, dass die Kosten einer autofixierten Verkehrspolitik noch viel höher seien, als die eines kostenlosen Nahverkehrs. Unter den 46 Millionen Autos auf Deutschlands Straßen würde vor allem die Lebensqualität in den Städten leiden – wegen Lärm, schlechter Luft und ein auf den Autoverkehr ausgelegtes Stadtbild. Bauchmüller räumt zwar ein, dass der Nahverkehr in den meisten deutschen Städten derzeit keine gute Alternative zum Auto sei, da Bus- und Bahnfahrten nicht nur zu teuer, sondern auch schlecht getaktet seien. Aber wenn ein kostenloser Nahverkehr mehr Kunden anlocken würde, wäre das auch ein Anreiz in mehr Fahrzeuge und bessere Fahrpläne zu investieren. Der Lohn wären „Städte, in denen es sich besser leben lässt; mit weniger Lärm und besserer Luft für alle.“

Hier entlang zum Originalartikel.

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Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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