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Deshalb verdient die Regierungskoalition in Italien eine Chance
Deshalb verdient die Regierungskoalition in Italien eine Chance

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen, 

gestern Abend ist bekannt geworden, dass der designierte italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte seinen Auftrag zur Regierungsbildung zurückgegeben hat. Die geplante europakritische Regierungskoalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega droht auf den letzten Metern doch noch zu platzen. Sind dies gute Neuigkeiten für Europa?

In den deutschen Medien wird die neue italienische Regierung oft stark kritisiert. So ist Cerstin Gammelin von der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG der Meinung, Italien verkompliziere nicht nur die bilateralen Beziehungen zwischen Berlin und Rom. Es mache es der Kanzlerin auch so gut wie unmöglich, auf die Ideen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in adäquater Weise zu reagieren. „Merkel ist eingeklemmt, hier die hohen französischen Ansprüche, dort die italienischen Turbulenzen, das lässt den Handlungsspielraum schrumpfen„. Ivan De Vincenzi bezeichnet in der HAMBURGER POST die Regierung Italiens als eine absurde Koalition aus Rechts- und Linkspopulisten, die ein noch absurderes Programm entwickelt hat. Das sei brandgefährlich und drohe, den Kontinent zu zerreißen. Journalist Henrik Müller sieht die neue Regierung ebenfalls als Gefahr. In seiner Kolumne im SPIEGEL ONLINE schreibt er, dass Italien die Sollbruchstelle des Euro ist. Wenn das Land seine Schulden nicht mehr bedienen wolle, werde das ein Beben mit weitreichenden Folgen auslösen. 

Marco Bertolaso, Nachrichtenchef des DEUTSCHLANDFUNKS, sieht die aktuelle politische Situation in Italien aus einer ganz anderen Perspektive: die Koalition verdient eine Chance. Deutschland sollte auf die neue Regierung zugehen und den Dialog suchen. Denn zumindest die Fünf Sterne seien ein Projekt mit offenem Ausgang. Ihre Entwicklung sei für Europa mindestens so interessant und so wichtig wie das Experiment von Emanuel Macron in Frankreich.

„Sie haben Korruption und Selbstbereicherung der politischen Klasse den Kampf angesagt, sie wollen eine leistungsfähigere und faire Verwaltung. Das das [sic!] ist mehr als überfällig. Hier kann, hier muss Europa die Hand reichen.”

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Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Olga Osintseva
Kommt aus:Russland
Politische Position:Bezeichnet sich selbst als mitte-links
Arbeitet für/als:Arbeitet als Redakteurin bei The Buzzard und als Event- und Community-Managerin beim Strascheg Center For Enterpreneurship in München
Was Sie noch wissen sollten:Osintseva hat 2015 ihren Master in Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg abgeschlossen. Sie kommt aus Russland und lebt mittlerweile seit vier Jahren in Deutschland.
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