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Unsere Luft ist sauberer als wir denken – das Problem sind die Messstationen
Unsere Luft ist sauberer als wir denken - das Problem sind die Messstationen

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

eigentlich sollten sie nach Pfingsten und damit heute schon in Kraft treten. Aber das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat mit seiner schriftlichen Urteilsbegründung für die Erlaubnis von Dieselverbotszonen auf sich warten lassen. Schon im Februar war die Entscheidung gefallen, seit vergangenem Freitag liegt nun offenbar die Urteilsbegründung vor. Veröffentlicht ist sie noch nicht – doch das dürfte nicht mehr lang dauern. Solange wartet die Stadt Hamburg, bis sie endlich die ersten Dieselverbotszonen Deutschlands eröffnen kann. Währenddessen hat die Europäische Kommission angekündigt, Deutschland und fünf weitere Staaten wegen zu viel Stickoxiden in der Luft zu verklagen. Die Länder hätten es versäumt, sich für die Einhaltung der Grenzwerte einzusetzen.

Viele Medien reagierten auf die Neuigkeit, indem sie die Werte für die Luftbelastung in verschiedenen deutschen Städten nannten und verglichen. So veröffentlichte etwa das HANDELSBLATT eine Liste mit 36 deutschen Städten, die den Grenzwert für die Stickstoffdioxid-Belastung „sicher überschritten“ hätten. Bei 29 weiteren, schreibt das HANDELSBLATT, sei es „wahrscheinlich“, dass sie die Grenzwerte überschreiten werden. Auch die TAGESSCHAU titelt pessimistisch: „Umweltbundesamt gibt keine Entwarnung“. Sie schreibt, dass im vergangenen Jahr in 70 Kommunen Grenzwertüberschreitungen gemessen wurden. Im Jahresmittel sei in 46 Prozent der Messstationen an Straßen zu hohe Werte festgestellt worden.

Womit sich die meisten Medienbeiträge in der Debatte jedoch nicht auseinandersetzen: Die Messstationen selbst. Anders macht das Patrick Bernau in seinem Artikel für die FAZ. Darin wirft der Autor die Frage auf, ob die deutschen Messstationen überhaupt das Richtige messen. Häufig seien sie an Orten aufgestellt, an denen die Luftbelastung nicht repräsentativ, sondern viel höher als in anderen Gebieten der Stadt sei. Auch, dass die zugelassenen Werte am Arbeitsplatz deutlich höher sein dürfen als auf der Straße, wo die Messstationen stehen, kritisiert Bernau. Von der Perspektive des Autors aus wirkt die Basis der Luftbelastungs-Diskussion plötzlich viel wackliger als vorher.

Umstritten ist beispielsweise die Messtation an der Stuttgarter Neckartor-Kreuzung. Misst sie wirklich eine Luftqualität, wie Menschen sie einatmen? Die Station steht direkt an einer sechsspurigen Straße, die sich rund 40 Meter weiter mit einer vierspurigen Straße kreuzt. Hinter der Station liegt eine Häuserecke so, dass sich kaum Luft bewegen kann. Schon auf der gegenüberliegenden Straßenseite wird nur ein Drittel der Schadstoff-Konzentration gemessen, viel weniger als der Grenzwert.“

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Alisa Sonntag
Kommt aus:Ursprünglich aus dem Raum Chemnitz, aktuell in Leipzig.
Politische Position:Arbeitet bei THE BUZZARD, weil sie möglichst viele Menschen ermutigen möchte, die eigene Filterblase ab und an mal zu verlassen.
Arbeitet für/als:Studiert in Halle an der Saale "Multimedia und Autorschaft" und "International Area Studies" im Master. Arbeitet außer für THE BUZZARD unter anderem für den MDR.
Was Sie noch wissen sollten:Hat ihr Bachelorstudium in Politik- und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen.
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