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Wenn Journalisten emotionaler und subjektiver schreiben würden, dann hätten wir die Vertrauenskrise im Journalismus nicht
Wenn Journalisten emotionaler und subjektiver schreiben würden, dann hätten wir die Vertrauenskrise im Journalismus nicht

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

heute möchten wir uns hier in der Tagesempfehlung mit einem Thema beschäftigen, das seit Jahren diskutiert wird: Journalismus steckt in der Krise. Ein Teil dieser Krise ist das Vertrauensproblem. Leserinnen und Leser vertrauen etablierten Medien immer weniger. Das zeigen Studien wie der aktuelle Digital Reuters News Report: Jeder zweite erwachsene Deutsche geht mittlerweile davon aus, dass man dem Großteil der Medien nicht mehr trauen kann; die Zahl ist noch einmal schlechter als im Vorjahr.

In Medien-Zirkeln wird seit Jahren darüber diskutiert wie man dieses Problem lösen könnte. Es ist ein Dauerthema auf Konferenzen wie der republica in Berlin oder den Medientagen in München. Auch wir bei The Buzzard werden ständig auf die Vertrauenskrise im Journalismus angesprochen und wir werden oft von Journalisten gefragt, ob wir eine Lösung parat haben. Und natürlich können auch wir dann meist nur sagen: Eine Patentlösung gibt es nicht.

Journalisten aus etablierten Häusern gehen größtenteils davon aus, dass die Branche sich mehr auf klassische Qualitätsstandards im Journalismus zurückbesinnen solle. Marlene Auer, Chefredakteurin und Herausgerberin von HORIZONT spricht sich beispielsweise für festere redaktionelle Abläufe, Hierarchien und klare Verantwortungszuschreibungen in den Redaktionen aus. „Gesicherte Informationen können nur von echten Journalisten in echten Redaktionen kommen.“ Andie Tucher, Dozentin an der Columbia Graduate School of Journalism, erklärt in einem Interview mit der NEUEN ZÜRICHER ZEITUNG, Medien erlangen Vertrauen, wenn sie sich nach außen als neutrales Informationssystem darstellen. Insbesondere in Zeiten von Fake News sei eine Abgrenzung von Sensationsberichterstattung wichtig. Der Tonus ist also meist: Mehr Fakten, weniger Emotionalisierung; striktere Strukturen und bessere Quellenchecks.

Dass es vielleicht auch eine ganz andere Lösung geben könnte, zeigt die freie Journalistin Alena Jabarine auf ZEIT ONLINE. Sie schreibt: Gerade die Emotionalisierung, gerade die Besinnung auf Subjektivität könne Glaubwürdigkeit erhöhen. Authenzität sollte im Vordergrund stehen, fordert die Journalistin. Denn: Die Hauptaufgabe des Journalismus bestehe darin, die Geschichten von Menschen zu erzählen, Ungerechtigkeiten aufzudecken und damit eine Debatte in der Öffentlichkeit anzustoßen. Empathie und Emotionen seien deshalb unerlässlich, um das Vertrauensproblem im Journalismus zu lösen:

„Als Journalistin, so lautet das Dogma, tut man so etwas nicht. Als Journalistin macht man sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer Guten. Ich finde es wird Zeit, dieses Dogma zu hinterfragen. Denn was soll das eigentlich heißen, sich als Journalist nicht gemein machen? Dass man sich nicht auf eine Seite schlägt? Ok. Dafür gibt es das journalistische Handwerk, den Versuch, sich der Objektivität so weit wie möglich anzunähern. Aber bedeutet das auch, dass man bei der Recherche keine Empathie empfinden, keine Haltung zeigen darf? Ich finde nicht.“

Hier entlang zum Originalartikel.

Was finden Sie? Schreiben Sie uns eine kurze Nachricht an politik@thebuzzard.org. Dann können wir gemeinsam über Journalismus sprechen. Die Antworten werden in den nächsten Wochen an dieser Stelle vorgestellt.

Wer steckt dahinter?

Carolin Heilig
Kommt aus:geboren am Bodensee, wohnt in Leipzig
Politische Position:mochte Christian Linder und dessen Einstellung bis zum Ende der Jamaika-Verhandlungen
Arbeitet für/als:Nachwuchsjournalistin und Studentin an der Universität Leipzig
Was Sie noch wissen sollten:arbeitete bereits für das Hamburger Abendblatt und die Stuttgarter Zeitung
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

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