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Das Beispiel Ellwangen zeigt: Journalisten sollten Informationen über Polizeieinsätze hinterfragen
Das Beispiel Ellwangen zeigt: Journalisten sollten Informationen über Polizeieinsätze hinterfragen

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

wohl selten hat ein Polizeieinsatz eine derartige innenpolitische Debatte nach sich gezogen wie in der vergangenen Woche: Am Donnerstagmorgen wurde die Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im baden-württembergischen Ellwangen von einem Großaufgebot von Polizisten durchsucht; mehrere Asylbewerber wurden in Gewahrsam genommen. Grund war der Widerstand von Bewohnern gegen die Abschiebung eines Togoers einige Tage zuvor. Sie hatten dessen Abholung durch vier Polizeibeamte zunächst verhindert und die Einsatzkräfte zum Rückzug bewogen.

Wirklich Fahrt nahm die Debatte dann am Donnerstag mit einer Äußerung von Heimat- und Innenminister Horst Seehofer auf, die von zahlreichen Medien zitiert wurde: Der CSU-Politiker bezeichnete das Geschehene als „Schlag ins Gesicht der rechtstreuen Bevölkerung“. Auch die Boulevardpresse nahm diese Vorlage für markige Schlagzeilen auf, um das „Staatsmonopol gegen kriminelle Asylbewerber“ zu verteidigen. Nicht zum ersten Mal wurde damit eine innenpolitische Debatte um die vermeintliche Entstehung „rechtsfreier Räume“ eröffnet.

Bemerkenswert ist, dass in der Folge fast ausschließlich über die Äußerung Seehofers und die zukünftige Strategie für Abschiebungen diskutiert wurde – den tatsächlichen Hergang der Ereignisse, die Auslöser der Debatte waren, hinterfragte jedoch kaum noch jemand. Wir empfehlen darum einen Beitrag, der zeigt, dass die Debatte um Ellwangen auch das journalistische Handwerk betrifft: Unter dem Titel „Was geschah in Ellwangen?“ veröffentlicht Christian Jakob (TAZ) eigene Recherchen zum Hergang und hinterfragt dabei die Informationspolitik der Polizeibehörden sowie die dpa-Meldung, die von den meisten Medien unkritisch übernommen worden war.

Hier entlang zum Originalartikel

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. Um tiefer das kontroverse Thema Asylpolitik einzusteigen, empfehlen wir unsere Wochen-Debatte zur Frage: Wird Deutschland vom Einwanderungs- zum Ausgrenzungsland?

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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