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Wir könnten auch ohne Kapitalismus – und es wäre besser
Wir könnten auch ohne Kapitalismus – und es wäre besser

Das Argument in Kürze:

Kapitalismus heißt Wachstum. Davon geht der ZEIT-Journalist Wolfgang Uchatius aus. In seinem Text überlegt er, ob Wachstum notwendig ist oder ob unsere Gesellschaft nicht auch ohne funktionieren könnte. Uchatius denkt, sie könnte es. Und eine solche Gesellschaft ohne Wachstum wäre glücklicher und ökologisch gerechter. Ein schöner Traum? Jedenfalls hat Uchatius traumhaft schöne Argumente.

Wozu immer mehr?

Macht immer mehr Besitz glücklicher? Nur, sagt Uchatius, „wenn es um die ersten Sprünge geht. Auto statt Fahrrad, Wohnung statt WG-Zimmer“. Dann nicht mehr. Ein Mensch mit 4000 Euro ist nicht unglücklicher als einer, der im Monat das Zehnfache verdient. Also brauchen wir kein Wachstum? Für den Planeten, so Uchatius, wäre das sogar besser.

Es ist logisch: Weniger Wachstum, weniger CO2 und andere Klimagase, weniger Klimawandel. Und wirklich viele neue Produkte brauchen wir nicht. Wir haben in Deutschland ja schon alles. „Aber nur wenn die Wirtschaft wächst, braucht sie mehr Leute.“ Der Durchschnittsdeutsche arbeitet zum Beispiel nicht in der Autofabrik, weil es in Deutschland nicht genug Autos gäbe. Er baut Autos, weil das sein Beruf ist. Oder umformuliert: Er arbeitet (das heißt es ja, Autos zu bauen), weil das seine Arbeit ist. Man muss kein Marxist sein (Uchatius zitiert in seinem Text ausschließlich nicht-marxistische Kapitalismuskritiker), um das Sinndefizit des Satzes zu bemerken. Man muss sehr phantasielos sein, zeigt uns Uchatius, wenn man trotzdem keine Alternativen suchen mag.

Eine politische Alternative wäre, das fehlende Wachstum durch Umverteilung wettzumachen. Arbeitnehmer müssten weniger arbeiten, alle hätten genug, um ein glückliches Leben zu führen. Aber natürlich wäre eine solche Alternative längst nicht bei allen beliebt. Uchatius schreibt, es wäre „die größte politische Anstrengung in der Geschichte der Bundesrepublik.“ Dass Anstrengung lohnt, sagen aber doch vor allem auch die kapitalistischsten Kapitalisten. Der Text macht nachdenklich, ob wir uns selbst nicht so viel Anstrengung Wert sein sollten.

Warum wir den Beitrag empfehlen:

Auf Krisen kann man verschieden reagieren. Entweder man wird ultrapragmatisch. Oder grundsätzlich. Uchatius̕ Text ist grundsätzlich. Er ist eine Reaktion auf die letzte große Finanzkrise. Was 2009 grundsätzlich war, ist es heute auch noch. Allein schon, dass es geht zu fragen, ob wir mehr Güter brauchen, mehr Jobs, mehr Alles, zeigt, dass Alternativen denkbar sind. Was denkbar ist, so Uchatius Schluss, ist möglich. Warum sollte das nicht für Alternativen zum Kapitalismus gelten?

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Lukas Fuhr

Wer steckt dahinter?

Wolfgang Uchatius
Kommt aus:Regensburg, Deutschland
Politische Position:Er hat als Journalist schon lange die Wirtschaft beobachtet und für seine Porträts, Essays und Reportagen viele Preise gewonnen. Ihn zeichnet aus, dass er nicht über Wirtschaft schreibt, sondern über Menschen, die arbeiten. (Wenn man noch nicht versteht, dass das ein Unterschied ist, muss man seinen Text unbedingt lesen.)
Arbeitet für/als:Uchatius leitet das Dossier-Ressort der Zeit. Dort wird jede Woche eine lange Reportage veröffentlicht – nicht nur zu Wirtschaftsthemen.
Was Sie noch wissen sollten:Wer wissen will, wie Journalisten geschrieben haben, als sie noch Studenten waren, kann Uchatius̕ Diplomarbeit bestellen. Sie wurde als print on demand veröffentlicht. Der Titel: „Die Neuverteilung der Arbeit. Ist eine Verkürzung der Arbeitszeit geeignet, das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen?“
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