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Ohne Kapitalismus würden Gewalt und Populismus unser Leben bestimmen
Ohne Kapitalismus würden Gewalt und Populismus unser Leben bestimmen

Das Argument in Kürze:

Die Demokratie in Deutschland braucht den Kapitalismus. Demokratie kann nämlich nur funktionieren, solange Wachstum Wohlstand ermöglicht. Ansonsten kommt es zu Unruhen und zum Aufstieg populistischer Parteien, mahnt der Journalist und Wirtschaftswissenschaftler Henrik Müller. Es gilt deshalb, die wirtschaftliche Produktivität zu steigern und die dadurch zur Verfügung stehenden Mittel in Infrastruktur und Bildung zu investieren, schlussfolgert er.

Kein Wohlstand — keine Demokratie

Demokratien funktionieren nur solange, wie die Mehrheit der Menschen das Gefühl hat, Nutznießer des Systems zu sein. Ein solches Gefühl haben die Menschen dann, wenn ihr Wohlstand kontinuierlich steigt. Ermöglicht wird der Zuwachs durch die kapitalistische Produktivitätssteigerung. Die wenigen Verlierer werden dabei durch moderate Umverteilungsmaßnahmen entschädigt, schreibt Müller.

Doch seit die Produktivitätssteigerung in westlichen Demokratien stagniert, brechen Verteilungskonflikte auf, hat die Demokratie Legitimationsprobleme. Die zeigen sich unter anderem im Aufstieg von demokratiefeindlichen Populisten. Müller sieht zwei Möglichkeiten, wie der Staat mit gesellschaftlichen Konflikten umgehen kann, die einem Mangel an Wohlstand entspringen: Geld oder Gewalt. Doch ohne Produktivitätssteigerung fehlt das Geld, mit dem die Menschen besänftigt werden könnten. Und Gewalt gefährde Demokratien ohnehin. Die Folge: Unruhen. Was also tun?

Das Problem liegt nicht im Kapitalismus, sondern in falschen Investitionen

Müller fordert eine Generalüberholung des Systems: Es müsse mehr erwirtschaftet werden. Es gelte, die Produktivität wieder zu steigern. Müller sieht die Lösung nicht in einer Abkehr von kapitalistischen Grundsätzen, sondern in Wachstum und tiefgreifenden Reformen: „Es geht um Bildung (von der Kita bis zur Spitzenuni), um Energie-, Verkehrs- und Netzinfrastruktur, um Steuerpolitik, Wettbewerbspolitik auf digitalen Märkten, Finanzmarktregulierung, Geld und Währung. Die Produktivitätsschwäche wird sich nur dann überwinden lassen, wenn wieder mehr Mittel in echte Investitionen fließen, statt in immer teurere Immobilien, Wertpapiere oder Firmenübernahmen.“

Warum wir den Beitrag empfehlen:

Während Kritiker die Ungleichheit und die daraus resultierenden Konflikte innerhalb der Demokratie als Folge des Kapitalismus betrachten, rückt Müller die Rolle des Staates in den Mittelpunkt. Damit erweitert er die Debatte um einen wesentlichen Punkt: Ob Kapitalismus erfolgreich ist hängt davon ab, wie der Staat ihn reguliert und seine Einnahmen verwendet.

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Lars Hauch

Wer steckt dahinter?

Henrik Müller
Kommt aus:Deutschland
Arbeitet für/als:Kolumnist des SPIEGEL und Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund
Was Sie noch wissen sollten:Für SPIEGEL ONLINE gibt er jede Woche einen pointierten Ausblick auf die wichtigsten Wirtschaftsereignisse der Woche. Er ist Autor zahlreicher Bücher zu wirtschafts- und währungspolitischen Themen
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