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Es gibt durchaus realistische Alternativen zum Kapitalismus, die wirtschaftlich funktionieren könnten
Es gibt durchaus realistische Alternativen zum Kapitalismus, die wirtschaftlich funktionieren könnten

Das Argument in Kürze:

Kapitalismus mündet in der Herrschaft reicher Menschen. Darum brauchen wir ein alternatives System, fordert Giacomo Corneo. Einen Vorschlag liefert der Finanzökonom gleich mit: Wenn jedes Börsenunternehmen mehrheitlich dem Staat gehören würde, bliebe nicht nur der freie Markt erhalten, sondern wäre die Staatskasse gut gefüllt. Dieses Geld könnte allen Bürgern zu Gute kommen und damit das Auseinanderdriften der Gesellschaft verhindern.

Die Alternative zum Kapitalismus: Aktienmarktsozialismus

Corneos Modell trägt den provokanten Namen „Aktienmarktsozialismus“ und funktioniert so: Jedes börsennotierte Unternehmen gehört zu mindestens 51 Prozent dem Staat. Der Gewinn dieser Unternehmen fließt zum großen Teil in den Staatshaushalt. Mit dem Geld kann der Staat alle Bürger am erwirtschafteten Wohlstand teilhaben lassen. Und dass der Wohlstand nicht ausbleibt, garantieren die Kräfte des freien Marktes und ein sogenannter Bundesaktionär. Der Bundesaktionär besteht aus einer Gruppe von Fachleuten, die ein entscheidendes Stimmrecht bei der Ernennung von Topmanagern haben. Sie wählen die Manager danach aus, ob sie die Unternehmen profitabel führen. Die Manager wiederum sind motiviert, weil ihre Entlohnung mit dem Erfolg des Unternehmens am Aktienmarkt steigt.

Kurz: Corneo hat für sein Modell Vorteile des Kapitalismus identifiziert und sie mit umfangreichen Umverteilungsmaßnahmen kombiniert. Er will mit seiner Idee des Arbeitsmarktsozialismus zeigen, dass das Potenzial für Wachstum und Wohlstand nicht verloren gehen muss, wenn der Kapitalismus in seiner jetzigen Form abgeschafft wird.

Warum wir den Beitrag empfehlen:

Kritik am Kapitalismus aus der Feder eines klassischen Ökonomen ist nicht nur ungewöhnlich, sondern in diesem Fall besonders spannend. Corneo nutzt für sein Modell nämlich die kapitalistischen Dynamiken freier Märkte und Innovationen, bremst aber die damit einhergehende Ungleichheit aus. Am Ende des Interviews erklärt der Beitrag die beliebtesten alternativen Wirtschaftsmodelle, wie das Bedingungslose Grundeinkommen, in einem kurzen Überblick.

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Lars Hauch

Wer steckt dahinter?

Giacomo Corneo
Kommt aus:Arona, Italien.
Arbeitet für/als:Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Berlin.
Was Sie noch wissen sollten:Corneo ist ein renommierter Ökonom. Das Handelsblatt zählte ihn 2011 zu den 40 besten Forschern der Volkswirtschaftslehre im deutschsprachigen Raum. Er selbst bezeichnet sich als „Neoklassiker“.
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