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Deutschland muss auch militärisch eine Führungsrolle in Europa einnehmen
Deutschland muss auch militärisch eine Führungsrolle in Europa einnehmen

Das Argument in Kürze:

Es klingt dramatisch: Europas Welt ist aus den Fugen geraten. Aber dass es so ist, lässt sich nicht leugnen. Davon ist der Konfliktforscher Philipp Rotmann überzeugt. Der Krieg in Syrien, die Flüchtlingskrise, die Annexion der Krim, die Wahl Donald Trumps, Terror in Nordafrika und im Nahen Osten, der Aufstieg Chinas – Europa ist umgeben von Gefahren und neuen Herausforderungen, schreibt Rotmann in NATIONAL INTEREST, einer amerikanischen Fachzeitschrift. In dieser unsicheren Zeit müsse Deutschland Stärke zeigen und militärisch mehr Verantwortung übernehmen. Denn nur Deutschland als wichtigste wirtschaftliche und politische Macht der Europäischen Union sei in der Lage, Europa zu schützen.

Wir können die Augen nicht verschließen. Wir müssen handeln.  

Über Jahrzehnte hinweg musste sich Deutschland außenpolitisch kaum engagieren, erläutert Rotmann. So lange in den Nachbarländern der EU Frieden herrschte habe man von Deutschland auf der internationalen Bühne nicht viel mehr erwartet als hin und wieder mahnende Worte.

Erst seit kurzem habe die Bundesregierung verstanden, dass mahnende Worte nicht mehr ausreichen. Der Ausbruch der Flüchtlingskrise, der Syrien-Krieg und Putins Eroberung der Krim habe den Deutschen gezeigt, wie eng Außen- und Innenpolitik zusammenhängen. „Was in Aleppo und Mossul passiert, kann Essen und Stuttgart beeinflussen“, zitiert Rotmann Kanzlerin Merkel. Und er unterstreicht: Die internationalen Konflikte verändern sich. Viele der neuen Konflikte seien asymmetrisch. Natürlich zerstöre organisiertes Verbrechen, Terror und Vertreibung im Nahen Osten nicht unmittelbar die Staaten und Gesellschaften in Europa. Aber: „Die Toten, die Verletzten, die Angst und die Kosten für die Wirtschaft sind überall. Und Bürger erwarten von Europas Regierungen, dass sie sie beschützen“, schreibt der Konfliktforscher. Deutschland als wichtigster Staat Europas müsse deshalb vorangehen und die EU mit einer klaren außenpolitischen Haltung vertreten.

Es reicht nicht aus, einfach nur mehr Geld für die Bundeswehr auszugeben

Rotmann meint, es reicht nicht, wenn Außenpolitik nur auf wirtschaftliche Kooperation und Bündnistreue setzt. Es sei an der Zeit, echte militärische Verantwortung zu übernehmen. Für Rotmann bedeutet das: Staaten wie Russland, China und Nordkorea klare Grenzen aufzuzeigen – unabhängig davon, was die USA machen. Verantwortung zu übernehmen bedeute aber auch, aus Konflikten der Vergangenheit zu lernen. Politiker sollten darüber diskutieren, was in Afghanistan und im Irak schiefging.

Wenn Deutschland nur Militärausgaben erhöht, sei das nicht genug. Die Bundesregierung müsse auch in Konfliktforschung investieren, fordert Rotmann: Mehr Botschafter, mehr Analysten, mehr Gesprächsangebote und mehr Arbeit mit den Menschen vor Ort.

Warum wir den Beitrag empfehlen:

Philipp Rotmann zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Deutschlands Außenpolitik für die Sicherheit von ganz Europa ist. Vor allem seine Beispiele aus der Europapolitik der vergangenen zehn Jahre sind überzeugend und machen nicht nur deutlich, wie sehr sich die Fronten in und um Europa verschieben. Sondern auch, wie wichtig es ist, dass Deutschland neue politische Antworten findet.

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Dario Nassal

Wer steckt dahinter?

Philipp Rotmann
Kommt aus:Berlin, Deutschland
Arbeitet für/als:Stellvertretender Direktor beim Global Public Policy Institute in Berlin. Er forscht zu internationaler Sicherheitspolitik und Konfliktforschung. Zurzeit arbeitet er an Projekten, die sich mit der frühzeitigen Erkennung von internationalen Krisen beschäftigen.
Was Sie noch wissen sollten:Zuvor hat Rotmann u.a. für die NATO als sicherheitspolitischer Berater gearbeitet. Er hat politische Meinungsartikel für die INTERNATIONAL NEW YORK TIMES, PROJECT SYNDICATE, DIE WELT und FRANKFURTER RUNDSCHAU verfasst.
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