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Datenschutz ist nicht die Lösung
Datenschutz ist nicht die Lösung

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

spätestens seit dem Datenskandal um Facebook und die Analysefirma Cambridge Analytica ist das Thema Datenschutz in aller Munde. Zudem tritt am 25. Mai 2018 − nach einer zweijährigen Übergangsfrist − die sogenannte EU-Datenschutzgrundverordnung (kurz: DSGVO) in Kraft. Ziel der Verordnung ist es, personenbezogene Daten besser zu schützen und die Verarbeitung der Daten durch Firmen einheitlicher zu gestalten.

Nachdem der Datenmissbrauch durch Cambridge Analytica Mitte März bekannt geworden ist, fordern Politiker weltweit eine strengere Regulierung für den Datenschutzes sowie mehr Transparenz bei der Datenverarbeitung durch soziale Netzwerke. Bundesjustizministerin Katarina Barley kündigte an: „Wir werden überprüfen, ob die Möglichkeiten der neuen europäischen Datenschutzverordnung hierfür ausreichen“. Auch der digitalpolitische Sprecher der SPD Jens Zimmermann bezeichnete die bisher von Facebook angekündigten Maßnahmen zum Datenschutz als unzureichend. Jan Philipp Albrecht, innen- und justizpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament, verlangt von Facebook einen radikalen Kurswechsel im Umgang mit Daten und Rechten von Nutzern. Insgesamt drehte sich die öffentliche Debatte fast ausschließlich um Datenschutz. So weit, so schlecht.

Denn dadurch würden die eigentlichen Probleme nicht thematisiert, moniert der Netzexperte und Internetaktivist Michael Seemann. Datenschutz sei zweifelsohne wichtig. Doch heutzutage sei es allgemein bekannt und sogar üblich, dass nahezu alle populären Dienste im Internet Nutzerdaten erheben, auswerten und Dritte von ihrem Wissen profitieren lassen.

„Doch wenn jetzt Medien und Politik aufgeregt darüber reden, der mangelhafte Datenschutz bei Facebook sei eine Gefahr für die Demokratie, führt das in die Irre. Denn: Mit Datenschutz hat das alles nichts zu tun.“

Problematisch sei vielmehr das sogenannte Mikrotargeting − individuelles Umwerben und gezieltes Beinflussen von Nutzern anhand von Statistiken und Wahrscheinlichkeiten. Für Mikrotargeting brauche man aber keine Namen, Adressen, Kreditkarteninformationen oder Facebook-Profile, die den Einzelnen identifizierbar machen. Es funktioniere auch mit anonymisierten Daten problemlos, erklärt Seemann. Datenschutz dient dem Schutz des Individuums. Deshalb kann Mikrotargeting dadurch nicht eingeschränkt werden, da es sich (zur Informationsbeschaffung) gerade nicht für den Einzelnen interessiert. Die Politik arbeite deshalb am „falschen Werkzeug für das richtige Problem“.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. Zum Weiterlesen empfehlen wir unsere Debatte: Sollte der Staat Facebook stärker regulieren?

Wer steckt dahinter?

Oliver Haupt
Kommt aus:Gebürtig aus Freiberg, lebt seit mehreren Jahren in Leipzig.
Politische Position:Mitte-links
Arbeitet für/als:Studiert Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Ist seit Oktober 2017 Redakteur bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Seine (wissenschaftlichen) Interessen liegen vor allem in der Politischen Philosophie, Ideengeschichte und Politischen Ökonomie. Insbesondere befasst er sich mit klassischer, als auch aktueller Kapitalismus- sowie Demokratiekritik und damit zusammenhängenden Disziplinen.
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