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Dass Nordkorea auf Atom- und Raketentests verzichtet, ist kein Grund zur Beruhigung
Dass Nordkorea auf Atom- und Raketentests verzichtet, ist kein Grund zur Beruhigung

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen, 

dieses Wochenende ist es zu einer großen Überraschung gekommen: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat verkündet, seine Atom- und Raketentests vorläufig zu stoppen. Nordkoreas Nuklearprogramm sei erfolgreich abgeschlossen. Nun kann sich das Land der wirtschaftlichen Modernisierung zuwenden, erklärte Kim nach Angaben der nordkoreanischen Staatsagentur KCNA. Die Ankündigung kommt eine Woche vor dem geplanten Treffen von Nordkoreas Staatschef mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in im Grenzort Panmunjom.

Deutsche Medien und internationale Politiker haben überwiegend positiv auf diese Ankündigung reagiert. Kim Jong Uns Botschaft bedeute zwar nicht, dass er seine Atomwaffen und Raketen sofort aufgeben wolle. Nichtsdestotrotz setze seine Ankündigung ein gutes Zeichen und wecke Hoffnung, dass die Lage sich ein wenig entspannen könnte – so das Argument. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE sieht in der Ankündigung beispielsweise einen wichtigen ersten Schritt. Ein Schritt, der „den Weg für die historischen Gipfeltreffen des Machthabers mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und US-Präsident Donald Trump ebnet”. UNO-Generalsekretär Guterres sagte bei einem informellen Treffen des UNO-Sicherheitsrates in Schweden, dass dieser vertrauensbildende Schritt den Weg frei mache für eine friedliche Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Auch der russische Vorsitzende des Außenausschusses, Konstantin Kossatschow, begrüßt Kims Ankündigung und schreibt auf Facebook: Das sei die Chance auf eine Deeskalation der Spannungen.  

Dass das nicht stimmen muss, zeigt Journalistin Siobhan Robbins. Robbins sieht Kim Jong Uns Ankündigung vor allem als politische Taktik, bei der es wenig um Deeskalation und viel um Verhandlungsmacht geht. Die Nachricht, auf Atom- und Raketentests zu verzichten, sei überaus klug. Denn: Indem Kim Jong Un signalisiere, dass die militärische Entwicklung Nordkoreas extrem erfolgreich sei und deswegen abgeschlossen, betone der Diktator seinen Erfolg vor dem nordkoreanischen Volk. Außerdem vermeide Kim damit jegliche Spekulationen, dass er unter Druck stehe,  Zugeständnisse auf dem Gipfel mit Südkorea zu machen. Robbins schreibt:

This not only presents him [Kim] as a successful and protective leader to his people, but it reminds the world that he is now the head of a nuclear-armed state and so comes to next week’s Inter-Korean summit in a position of strength.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit. Lesen Sie jetzt unsere Übersicht zur Frage, ob Nordkoreas Raketentests und Atompolitik eine Gefahr für die Welt sind.  

Wer steckt dahinter?

Olga Osintseva
Kommt aus:Russland
Politische Position:Bezeichnet sich selbst als mitte-links
Arbeitet für/als:Arbeitet als Redakteurin bei The Buzzard und als Event- und Community-Managerin beim Strascheg Center For Enterpreneurship in München
Was Sie noch wissen sollten:Osintseva hat 2015 ihren Master in Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg abgeschlossen. Sie kommt aus Russland und lebt mittlerweile seit vier Jahren in Deutschland.
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