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Der Perspektivwechsel am Morgen: Hilft ein Gütesiegel für Sexarbeit im Kampf gegen Zwangsprostitution?
Der Perspektivwechsel am Morgen: Hilft ein Gütesiegel für Sexarbeit im Kampf gegen Zwangsprostitution?

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

über hundert Menschen haben Polizisten gestern beim größten Einsatz in der Geschichte der Bundespolizei festgenommen. Die Verdächtigen sollen mehrere hundert thailändische Frauen und Transsexuelle mit falschen Visa nach Deutschland eingeschleust und zur Prostitution gezwungen haben. Die Einnahmen mussten die Prostituierten an die Schleuser abgeben, die sich so Gewinne im siebenstelligen Bereich verschafften.

Prostitution ist hierzulande umstritten. Ihre KritikerInnen beklagen das Frauenbild, das Prostitution transportiere und reproduziere: „Wir haben Flatrate-Bordelle, in denen Frauen im Komplett-Paket mit Bier und Bratwurst zum Konsum angeboten werden.“ Einige fordern Strafen für Freier – mit dem Argument, dass liberale Prostitutionsgesetze Menschenhandel förderten. Andere Stimmen wehren sich gegen die gesellschaftliche Stigmatisierung von Prostitution. Sie fordern die Entkriminalisierung von Sexarbeit und werfen den Kritikern der Prostitution vor, die Prostituierten zu bevormunden. So auch Ilan Stephanie, die sich freiwillig prostituierte: „Prostitution, solange sie freiwillig passiert, ist ein Job. Nicht mehr und nicht weniger.“

Die Journalistin Waltraud Schwab nähert sich dem Thema pragmatischer, neutraler – und mit einer spannenden Idee. Sie schlägt ein Qualitätszertifikat für Prostituierte vor, ausgestellt entweder von der Regierung oder von Prostituiertenverbänden. „Denkbar wären mehrwöchige Trainingsprogramme und jährliche Schulungen, bei denen die Frauen, die in der Prostitution arbeiten wollen, Massagetechniken und Selbstverteidigung lernen, die Grundlagen der Gesprächsführung und Psychologie vermittelt bekommen sowie eine Einführung ins Kamasutra und in die interkulturelle Kompetenz.“ Auf diese Art und Weise, meint sie, könnten gleichzeitig die Arbeitsbedingungen der Prostituierten und ihre Stellung in der Gesellschaft verbessert werden.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. An das Thema der Prostitution schließt sich auch unsere aktuelle Debatte zum Thema Feminismus an, in der wir fragen, ob Feminismus den Frauen von heute hilft. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, lohnt sich ein Blick in unsere ausführlichen Debattenübersichten.

Wer steckt dahinter?

Alisa Sonntag
Kommt aus:Ursprünglich aus dem Raum Chemnitz, aktuell in Leipzig.
Politische Position:Arbeitet bei THE BUZZARD, weil sie möglichst viele Menschen ermutigen möchte, die eigene Filterblase ab und an mal zu verlassen.
Arbeitet für/als:Studiert in Halle an der Saale "Multimedia und Autorschaft" und "International Area Studies" im Master. Arbeitet unter anderem für The Buzzard, die Mitteldeutsche Zeitung und die Freie Presse Chemnitz als freie Journalistin.
Was Sie noch wissen sollten:Hat ihr Bachelorstudium in Politik- und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

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