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Der Perspektivwechsel am Morgen: Gibt es in Ägypten zu wenig Terroristen?
Der Perspektivwechsel am Morgen: Gibt es in Ägypten zu wenig Terroristen?

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

Fattah al-Sisi wurde Anfang April mit überwältigender Mehrheit als Präsident Ägyptens bestätigt.

Es ist kein Geheimnis, dass der ehemalige General autoritär regiert und die Wahlen alles andere als frei verliefen. Ebenso bekannt ist die Gefahr durch islamistische Terrorgruppen, die vor allem auf der Sinai-Halbinsel erstarkt sind. Doch sind die Islamisten wirklich eine Gefahr für al-Sisis Regierung?

Nein, sagt der türkische Analyst und Parlamentarier Taha Ozhan. Genaugenommen sei die Anzahl von Terroristen in Ägypten sogar zu gering, um als Rechtfertigung für al-Sisis autoritäre Herrschaft zu dienen. Das wiederum sei ein Problem für den Präsidenten, denn die für ihn überlebenswichtige Allianz mit Saudi Arabien und den USA verlange den unaufhörlichen Feldzug gegen den Terror. Was heißt das konkret?

Ozhan führt aus: Das Dreiergespann Ägypten, Saudi Arabien und USA rechtfertigt seine aggressive Politik mit dem Verweis auf die allgegenwärtige Gefahr durch Terrorismus. Neben Terrorgruppen wie dem sogenannten Islamischen Staat (IS) wird dabei auch die Muslimbruderschaft dämonisiert, die in vielen Ländern der Region als soziale und politische Bewegung verwurzelt ist. Al-Sisi muss gegen die Muslimbrüder vorgehen, wenn er weiter Geld aus Saudi Arabien bekommen möchte.

Das Problem: Die Muslimbruderschaft hat trotz des Putschs von 2013 gegen Mohammed Mursi — selbst ein Mitglied der Bruderschaft — nicht zu den Waffen gegriffen und so den Frieden gewahrt. Ozhans Prognose für die Zukunft der al-Sisi-Regierung ist deshalb düster. Der Präsident könne keinen Anti-Terror-Kampf gegen eine Massenbewegung führen, die mehrheitlich friedlich ist. Deren Forderungen nach politischem Wandel und einem Leben in Würde bestünden allerdings weiter fort. Rückenwind bekommen diese Forderungen durch die katastrophale Wirtschaftslage im Land — und könnten schließlich von Erfolg gekrönt sein, da der Anti-Terror-Kampf der al-Sisi-Regierung ins Leere laufe.

 

Hier entlang zum Originalartikel.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einer tagespolitischen Angelegenheit eine alternative Sichtweise bietet. 

Wer steckt dahinter?

Lars Hauch
Kommt aus:Münster, Deutschland
Politische Position:Gegen eurozentristische Betrachtung der muslimischen Welt, gegen machtverschleiernde Ideologien, für soziale Nachhaltigkeit
Arbeitet für/als:Schreibt als freier Journalist über Islamismus und Sicherheitspolitik im Mittleren Osten, u.a. für Middle East Eye, Krautreporter, Internationale Politik und Gesellschaft, Blätter für deutsche und internationale Politik. Seit kurzem recherchiert und schreibt er auch für The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Studierte International Development Studies an der Universität Wien und Politikwissenschaften an der Universität Münster
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