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Der Perspektivwechsel am Morgen: Sarrazin, Tellkamp und die „Gesinnungsdiktatur“.
Der Perspektivwechsel am Morgen: Sarrazin, Tellkamp und die „Gesinnungsdiktatur“.
(Foto: Richard Hebstreit | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

auch in dieser Woche bestimmten wieder der Fall des katalanischen Ex-Regionalpräsidenten Carles Puigdemont sowie die verhärteten Fronten zwischen Russland und Großbritannien die Kommentarspalten. Zudem befassten sich Journalisten ausführlich mit den Äußerungen des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman und der Syrien-Konferenz der Türkei, Russlands und des Iran.

Ein interessantes Datum ging dabei unter: Vor fünf Jahren, am 4. April 2013, hatte der Antirassismus-Ausschuss der Vereinten Nationen Deutschland öffentlich gerügt. Grund war, dass ein Berliner Gericht eine Klage gegen Thilo Sarrazin wegen Volksverhetzung abgelehnt hatte. Sarrazins herabwürdigende Äußerungen über Migranten waren für das UN-Gremium Anlass, bessere Gesetze zum Schutz vor rassistischen Äußerungen in Deutschland anzumahnen.

Während der Ex-Bundesbanker Sarrazin zuletzt wieder die Finanzpolitik für sich entdeckt hat (und erklärte, wie „die Südländer“ Deutschland Geld entzögen), hätte der Jahrestag dennoch Anlass für die Frage sein können, was sich in dem halben Jahrzehnt seit der Rüge in Deutschland geändert hat.

Vielleicht wäre man zu dem Schluss gekommen, dass Stimmen, die in ein ähnliches Horn stoßen wie Sarrazin, zahlreicher und lauter geworden sind – und immer wieder behauptet wird, dass man gewisse Dinge ja „nicht mehr sagen“ dürfe. Solche Argumentationen kommen zunehmend aus den Reihen der Intellektuellen und Kulturschaffenden, wie sich zuletzt im Zuge der Leipziger Buchmesse und der Feuilleton-Debatte um den Schriftsteller Uwe Tellkamp zeigte: Tellkamp sieht hierzulande eine „Gesinnungsdiktatur“ am Werk und führte als Beispiel den Umgang mit Sarrazin an. „Kein Wort aber dazu, dass gerade Thilo Sarrazin von der Presse hofiert wurde: Der SPIEGEL veröffentlichte 2010 Teile seines Buches ‚Deutschland schafft sich ab‘“, stellt dem der evangelische Theologe Christian Wolff auf dem VORWÄRTS-Blog entgegen. Weder Sarrazin noch Tellkamp hindere man daran, ihre Gedanken öffentlich zur Diskussion zu stellen.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, stöbern Sie gerne in unseren ausführlichen Debattenübersichten.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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