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Der Perspektivwechsel am Morgen: Weitere Ausweisungen russischer Diplomaten
Der Perspektivwechsel am Morgen: Weitere Ausweisungen russischer Diplomaten
(Foto: Alaexis | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

die Krise um den Giftanschlag auf Ex-Spion Skripal verschärft sich. Viele Staaten, darunter USA, Australien und Deutschland, haben in einer Gemeinschaftsaktion angekündigt, russische Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter auszuweisen. Der Kreml zeigt sich empört und kündigt Gegenmaßnahmen an.

Dass viele Staaten russische Diplomaten ausweisen, stößt in deutschen Medien auf gemischte Reaktionen. Viele Journalisten und Politiker begrüßen den Schritt. So schreibt Peter Sturm, Journalist bei der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG, Russland sei zu weit gegangen: „Die Ausweisungen signalisieren, dass Moskau die Schraube zu weit gedreht hat. Dies muss Präsident Wladimir Putin irgendjemand in aller Ruhe und in aller Deutlichkeit klar machen. Angela Merkel und Emmanuel Macron könnten dies.“ Der Europaabgeordnete Michael Gahler (CDU) ist derselben Meinung und ruft die EU zu Geschlossenheit gegenüber Russland auf. „Russland versucht mit allen Mitteln, unsere liberale, offene Ordnung zu bekämpfen“, sagt Gahler im DEUTSCHLANDFUNK.

Demgegenüber stehen zahlreiche Journalisten, die die Ausweisung kritisch sehen. Andreas Schwarzkopf meint beispielsweise in der FRANKFURTER RUNDSCHAU: Die europäische Solidarität mit London nach dem Skripal-Attentat sei zwar richtig, dem Vorstoß fehle aber ein vermittelndes Element. Deutschland hätte dem Kreml die Proben der giftigen Substanz überbringen können. „Diese Strategie würde zeigen, wie sehr der Westen an einer Partnerschaft mit dem schwierigen Nachbarn interessiert ist, statt lediglich den Konflikt zu eskalieren“, so Schwarzkopf. Auch Journalist Marion Trimborn kritisiert in der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG die Ausweisungen: Wer bei den Fakten bleibe, stelle fest, dass der Fall nach wie vor – so weit sich das öffentlich nachvollziehen lässt – ungeklärt sei. Außerdem wäre ein neuer Konfrontationskurs zwischen dem Westen und Russland für die Welt einfach fatal.

Abseits von Kritik und Lob findet sich eine ganz andere Sichtweise im Beitrag von TELEPOLIS-Chefredakteur Florian Rötzer. Rötzer sieht die Ausweisungen auch kritisch – er argumentiert aber, die Strategie des Westens habe kaum etwas mit dem Skripal-Fall selbst zu tun. Die Ausweisungen seien eine gewollte Eskalation des Konflikts mit Russland, um dadurch Einheit in der transatlantischen Gemeinschaft zu schaffen.

„Die EU hatten die Nato-Probleme mit Trump genutzt, um eine verstärkte militärische Zusammenarbeit in der EU in Gang zu bringen […]. Mit dem weiteren Aufbau des gemeinsamen Feinds Russland kann man diese Bestrebungen mit einem Zusammenrücken mit den USA verbinden.“

Hier entlang zum Originalartikel.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet.

Wer steckt dahinter?

Olga Osintseva
Kommt aus:Russland
Politische Position:Bezeichnet sich selbst als mitte-links
Arbeitet für/als:Arbeitet als Redakteurin bei The Buzzard und als Event- und Community-Managerin beim Strascheg Center For Enterpreneurship in München
Was Sie noch wissen sollten:Osintseva hat 2015 ihren Master in Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg abgeschlossen. Sie kommt aus Russland und lebt mittlerweile seit vier Jahren in Deutschland.
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