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Der Perspektivwechsel am Morgen: Seehofer und die Islam-Debatte
Der Perspektivwechsel am Morgen: Seehofer und die Islam-Debatte

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

kaum zum Innenminister gekürt, hat Horst Seehofer direkt Schlagzeilen gemacht: „Nein, der Islam gehört nicht zu Deutschland. […] Die bei uns lebenden Muslime gehören aber selbstverständlich zu Deutschland“, das sagte Seehofer im Interview mit der BILD-Zeitung am Freitag. Das ganze Wochenende haben nun Medien und Politiker über Seehofers Aussage diskutiert.

Die CSU stellt sich demonstrativ hinter Seehofer. Wer ausspreche, was die überwältigende Mehrheit im Land denke, der spalte nicht, sondern führe zusammen, sagt CSU-Landesgruppenchef Dobrindt. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unterstützt Seehofer. Dass nun die Islam-Debatte neu  angestoßen wird, begrüßt auch die Mehrheit der deutschen Bevölkerung, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey für FOCUS Online zeigt.

Viele Politiker kritisieren Seehofer: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Seehofers Äußerung zurückgewiesen und SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil sagt: „Die in Deutschland lebenden Muslime gehören zu Deutschland, das gilt selbstverständlich auch für ihren Glauben„. Auch viele Journalisten äußern sich kritisch. Georg Diez schreibt beispielsweise bei SPIEGEL ONLINE, dass kein Politiker mit einem Mindestmaß an Verantwortung es sich erlauben könne zu sagen, wer oder wer nicht zu diesem Land gehöre, indem man eine Religion gezielt benenne und ausgrenze.

Eine andere Perspektive liefert Abdel-Hakim Ourghi. Der Leiter des Instituts der Theologien an der Pädagogischen Hochschule Freiburg sieht Seehofers Aussage zwar ebenfalls kritisch. Im Interview mit der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG meint er aber, dass es bei der Debatte um die falsche Frage gehe. Für ihn stellt sich nicht die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört. Viel wichtiger sei, welcher Islam zu Deutschland gehöre. Denn Islam ist nicht gleich Islam. Genau deshalb sei islamischer Religionsunterricht so wichtig.

„In den Moscheen wird den Kindern kaum beigebracht, über ihre Religion nachzudenken, ihren Glauben auch kritisch zu hinterfragen. […] Der Religionsunterricht kann hier helfen und den Schülern zeigen, dass sie als Menschen nicht in erster Linie durch ihre Religion definiert werden, sondern dass sie ein Bestandteil dieser Gesellschaft sind, dass sie Deutsche sind.”

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet.

Wer steckt dahinter?

Olga Osintseva
Kommt aus:Russland
Politische Position:Bezeichnet sich selbst als mitte-links
Arbeitet für/als:Arbeitet als Redakteurin bei The Buzzard und als Event- und Community-Managerin beim Strascheg Center For Enterpreneurship in München
Was Sie noch wissen sollten:Osintseva hat 2015 ihren Master in Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg abgeschlossen. Sie kommt aus Russland und lebt mittlerweile seit vier Jahren in Deutschland.
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