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Der Perspektivwechsel am Morgen: US-amerikanischer Außenminister Tillerson entlassen
Der Perspektivwechsel am Morgen: US-amerikanischer Außenminister Tillerson entlassen
( Link zum Originalbild | Urheber: U.S. Department of State | Flickr | Urheberrecht bei US Regierung)

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

 

Guten Morgen,

gestern wurde der US-amerikanische Außenminister Rex Tillerson entlassen. Das teilte US-Präsident Donald Trump am Dienstagmorgen (Ortszeit) über Twitter mit. Im gleichen Zug verkündete Trump, der CIA-Direktor Mike Pompeo werde den Posten des Außenministers übernehmen. Als Grund für die Entlassung gab Trump unterschiedliche politische Ansichten bei Schlüsselthemen an. Bereits in der Vergangenheit war es wiederholt zu Uneinigkeiten zwischen Trump und Tillerson gekommen. Deshalb hatte es immer wieder Spekulationen über einen Rücktritt Tillersons gegeben, die Tillerson aber stets dementierte. Erst im Januar bekräftigte er seine Absicht, im Amt bleiben zu wollen. Dies bestätigte der Staatssekretär im US-Außenministerium Steve Goldstein gestern erneut. Wenige Stunden nach Tillerson wurde auch er entlassen.

Rex Tillerson habe dem Außenministerium zufolge erst über Twitter von seiner Kündigung erfahren. Aus dem Weißen Haus verlautete indessen, Trump habe ihn schon am Freitag über diesen Schritt informiert. Die Gründe für Trumps Vorstoß seien Tillerson nicht bekannt, die beiden Politiker haben über die Entlassung scheinbar nicht gesprochen. Trotzdem gibt es Vermutungen, womit die Entlassung zusammenhängen könnte: Eine Vermutung lautet, dass Tillersons Kündigung mit seiner Äußerung im Fall Skripal zusammenhängt. Denn erst vor zwei Tagen hat sich Tillerson den Äußerungen der britischen Premierministerin May angeschlossen, wonach Russland für den Giftanschlag auf den russischen Agenten Sergej Skripal in England verantwortlich sei. Kurz zuvor hatte das Weiße Haus diese Ansicht noch abgelehnt. Darüber hinaus vermuten Journalisten, Trump wolle seine Regierungsmannschaft vor den anstehenden Gesprächen mit Kim Jong-un neu aufstellen. Tillersons Nachfolger Pompeo gilt als Hardliner gegenüber Nordkorea. Zudem hat er sich in der Vergangenheit mehrfach für eine Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran stark gemacht. Gerade darüber habe es zwischen Trump und Tillerson grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten gegeben. Abgesehen davon galt das persönliche Verhältnis zwischen beiden seit Längerem als zerrüttet.

Die mediale Berichterstattung konzentrierte sich vor allem auf die Umstände und Gründe für die Entlassung Tillersons. Häufig betont wurde außerdem, sein designierter Nachfolger Pompeo werde Trumps aggressive Haltung in der Außenpolitik eher verstärken, als abschwächen. Es sei deswegen zu befürchten, dass sich die Beziehungen der USA zu Russland, Nordkorea oder dem Iran weiter verschärfen. Tillerson hatte in diesen Konflikten, anders als Trump, stets auf Deeskalation und diplomatische Lösungen gesetzt.

Ganz anderer Meinung ist jedoch der US-amerikanische Journalist David E. Sanger. In seinem Beitrag für die NEW YORK TIMES argumentiert Sanger, Pompeo sei gut für die Regierung. Endlich werde amerikanische Außenpolitik wieder glaubwürdig. Niemand habe Tillerson abgenommen, er handele im Namen des US-Präsidenten und der USA. Auch Trump sei nie von Tillerson überzeugt gewesen, vielmehr war das Verhältnis von Trump und Tillerson von Misstrauen und Konkurrenz geprägt. Pompeo, dagegen, gelte bereits jetzt als enger Vertrauter Trumps, beide haben weitgehend übereinstimmende politische Interessen. Nur so könne  Außenpolitik erfolgreich sein.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unseren wöchentlichen Meinungsübersichten beschäftigen wir uns detaillierter mit politischen Kontroversen. Zum Verhältnis der USA und dem Iran empfehlen wir unsere Debatte: Sollte der Westen stärker mit dem Iran kooperieren?

Wer steckt dahinter?

Oliver Haupt
Kommt aus:Gebürtig aus Freiberg, lebt seit mehreren Jahren in Leipzig.
Politische Position:Mitte-links
Arbeitet für/als:Studiert Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Ist seit Oktober 2017 Redakteur bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Seine (wissenschaftlichen) Interessen liegen vor allem in der Politischen Philosophie, Ideengeschichte und Politischen Ökonomie. Insbesondere befasst er sich mit klassischer, als auch aktueller Kapitalismus- sowie Demokratiekritik und damit zusammenhängenden Disziplinen.
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