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Der Perspektivwechsel am Morgen: Linker „Plan B“ statt Großer Koalition?
Der Perspektivwechsel am Morgen: Linker „Plan B“ statt Großer Koalition?

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Heute: National vs. International

 

Guten Morgen,

sollte die Neuauflage der Koalition zwischen CDU/CSU und SPD am Votum der sozialdemokratischen Parteibasis scheitern, bereitet sich Die Linke offenbar bereits auf Neuwahlen vor. Doch welche strategische (Macht-)Perspektive bleibt in solch einem Fall für die SPD und für die linken Parteien insgesamt? Oscar Lafontaine hatte in der Sächsischen Zeitung gefordert: „Linke, vereinigt euch!“ – man müsse sich zusammentun, um „aus der Sackgasse des Neoliberalismus zu entkommen“. Diese Forderung hält den früheren SPD-Vorsitzenden und Gründervater der Linkspartei aber nicht davon ab, in seinem Beitrag gegen die potenziellen Partner auszuteilen.

Wie die Strategie für ein gemeinsames linkes „Lager“ aussehen soll, lässt Lafontaine offen. Katja Kipping wirft ihm indes vor, mit seiner Forderung nach einer linken Sammlungsbewegung eine Spaltung der eigenen Partei voranzutreiben.

Es stellt sich überdies die Frage: Wäre diese linke Alternative zur großen Koalition überhaupt realistisch – und sinnvoll? Der Politikwissenschaftler Oskar Niedermaier hält eine rot-rot-grüne Machtperspektive für illusorisch; ein Linksbündnis wäre „für die SPD Selbstmord aus Angst vor dem Tod“.

Thomas Meyer, Chefredakteur der sozialdemokratischen Monatszeitschrift „Neue Gesellschaft/ Frankfurter Hefte“ meint in seinem aktuellen Leitartikel, die SPD leide vor allem durch die „Zersiedelung des politischen Raums der linken Mitte“, habe also zu vielen anderen ihr traditionelles Feld überlassen und müsse versuchen, sich „wieder glaubwürdig in der neuen und alten Unterklasse sowie der Mittelschicht zu etablieren“.

Es lohnt aber auch ein Blick auf ausländische Kommentatoren, die oft breitere Entwicklungslinien thematisieren. Ein Kommentator der New York Times zeigt sich geradezu enttäuscht, dass die Avancen für ein Linksbündnis, die auch Sahra Wagenknecht vor Kurzem ausgesandt hatte, bisher keinen Erfolg zeigen. Empfohlen sei auch eine längere Analyse von Timo Lochocki für Foreign Policy, die das strukturelle Dilemma der SPD – und ebenso der anderen „progressiven“ deutschen Parteien – in ihrer internen Zerrissenheit am Themenfeld „Identity Politics“ (Identitätspolitik) sieht. Erfolgversprechend könne für die SPD nur sein, sich als klare Alternative zur Union in Feldern der Wirtschafts- und Sozialpolitik zu positionieren – und zwar nicht auf der Regierungsbank.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, stöbern Sie gerne in unseren ausführlichen ​Debattenübersichten. ​

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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